Ausstellung: Die Bilderwelt der Assyrer


Sie sind mehr als 2700 Jahre alt: Reliefs aus Ninive, die einen Eindruck vom Leben der Assyrer geben. Fotografien davon sind jetzt zum ersten Mal in Würzburg zu sehen. (Foto: Centro Scavi / Turin)

Ninive. Bilder aus Sanheribs „Palast ohnegleichen“: So lautet der Titel einer neuen Ausstellung im Martin von Wagner Museum. Organisiert vom Lehrstuhl für Altorientalistik der Universität Würzburg, zeigt sie Ansichten von Reliefs, die vor kurzem vermutlich unwiederbringlich verloren gegangen sind.

Ihre Wurzeln reichen bis ins sechste Jahrtausend vor Christi Geburt: Ninive – die Stadt, deren Überreste heute im Norden des Irak innerhalb der Stadt Mosul zu finden sind. Im siebten Jahrhundert gründete der assyrische König Sanherib (705–681 v. Chr.) dort eine neue Hauptstadt und errichte eine prächtige Residenz, die er selbst „Palast ohnegleichen“ nannte. Der in der abendländischen Geschichte vor allem als Belagerer Jerusalems bekannte Herrscher ließ den Palast vollständig mit Reliefs ausstatten, auf denen seine Feldzüge und Bautätigkeiten detailliert dargestellt sind.

Sensationelle Wiederentdeckung

Als diese Reliefs Mitte des 19. Jahrhunderts ausgegraben und im Britischen Museum ausgestellt wurden, rief die wiederentdeckte Bilderwelt der Assyrer eine Sensation hervor. Aber nicht alle Reliefs wurden nach London verbracht, viele blieben auch an Ort und Stelle. Ein Team von Turiner Konservatoren hat diese Reliefs im Jahr 2002 in hochauflösenden Digitalfotografien dokumentiert.

Jetzt ist eine Auswahl dieser Fotografien zum ersten Mal in Würzburg zu sehen in einer neuen Ausstellung im Martin von Wagner Museum. Die Detailaufnahmen der Reliefs vermitteln einen Eindruck von der großen Fähigkeit der assyrischen Steinmetze, die zeitgenössische Lebenswirklichkeit einzufangen, und offenbaren damit einen unwiederbringlichen kunstgeschichtlichen Reichtum.

Vom Islamischen Staat zerstört

Sie könnten Zeugnis geben von Originalen, die mittlerweile wohl verloren gegangen sind: Ende Februar 2015 haben Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat zahlreiche archäologische Fundstücke, auch an der archäologischen Grabungsstätte in Ninive, zerstört.

Organisiert hat die Ausstellung der Lehrstuhl für Altorientalistik im Rahmen des Würzburger Altertumswissenschaftlichen Zentrums und in Zusammenarbeit mit dem Centro Scavi in Turin.

Feierliche Eröffnung am 20. Oktober

Eröffnet wird die Ausstellung mit einem kleinen Festakt im Toscanasaal der Residenz. Er findet statt am Donnerstag, 20. Oktober, Beginn ist um 18.15 Uhr.

Nach der Begrüßung durch Dr. Jochen Griesbach (Direktor der Antikenabteilung), Professor Nils P. Heeßel (Altorientalistik) und Professor Stefano de Martino (Centro Scavi, Turin) hält Dr. Lutz Martin, Vorderasiatisches Museum, Berlin, den Festvortrag. Martin spricht über „Ninive – ‚Wehe der Blutstadt, ganz erfüllt mit Lüge und Gewalttat!‘– Aufstieg und Fall einer assyrischen Metropole“.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Ninive. Bilder aus Sanheribs ‚Palast ohnegleichen‘“ läuft vom 21. Oktober 2016 bis zum 19. Februar 2017 in der Antikenabteilung des Martin von Wagner Museums im Südflügel der Residenz. Öffnungszeiten: Di-Sa 10-17 Uhr; So 10-13.30 Uhr. Eintritt: Erwachsene zwei Euro, Schüler und Studenten frei.

Führungen für Erwachsene und Kinder

Zusätzlich bietet Professor Daniel Schwemer, Inhaber des Lehrstuhls für Altorientalistik, an mehreren Sonntagen Führungen durch die Ausstellung an. Sie beginnen um 11:00 Uhr und dauern etwa eine Stunde. Eintritt: drei Euro / ermäßigt zwei Euro (Schüler, Studenten, Schwerbehinderte). Für Mitglieder der Museumsinitiative ist die Teilnahme kostenlos. Die Führungen richten sich sowohl an Erwachsene als auch an Kinder.

Die Termine sind 20. November, 18. Dezember, 22. Januar, 19. Februar.

Zur Homepage des Martin von Wagner Museums

19.02.2017, 12:00 Uhr