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    Philosophische Fakultät

    „Macht euch die Erde untertan!“

    31.01.2022

    Wenn die Menschen sich heute mit dem Schutz des Planeten schwertun, liegt das auch am kulturellen „Gepäck“, das sie mit sich tragen. Um dieses Thema geht es in einer öffentlichen Ringvorlesung an der Uni Würzburg.

    Ägyptische Tempelanlagen unterhalb des Bergs Jebel Barkal im Nordsudan; im Hintergrund der Nil. Das Foto visualisiert den Kontrast zwischen Kultur- und Naturlandschaft aus altertumswissenschaftlicher Perspektive. (Bild: Julia Meister / Universität Würzburg)

    Das Verhältnis der Menschen zur Natur dürfte schon immer ambivalent gewesen sein. Einerseits bot sie ihnen Nahrung und alles andere, was sie zum Überleben brauchten. Andererseits wartete sie mit vielen Gefahren auf, die ihre Existenz bedrohten. Vieles spricht dafür, dass das Ergreifen wirksamer Schutzvorkehrungen nach und nach die Vorstellung der Menschen beflügelt hat, die Natur beherrschen und in Zaum halten zu wollen.

    Heute wächst das Bewusstsein dafür, dass die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und die Zerstörung von Biotopen für die Menschheit zu einer existenziellen Bedrohung werden können.

    Schon in der Steinzeit wurden Tiere ausgerottet

    Die Forschung kann inzwischen nachweisen, dass die Probleme ökologischer Balance schon in der Steinzeit begonnen haben: Unsere Vorfahren jagten mehr Tiere als nötig und brachten so die ersten Arten zum Aussterben.

    Mit der Sesshaftwerdung und dem Ackerbau begannen die tiefergreifende Gestaltung von Lebensräumen und das Territorialdenken. Die Kontrolle von Wasser zur Steigerung landwirtschaftlicher Erträge sorgte in manchen Regionen nicht nur für Bevölkerungswachstum, sondern erlaubte auch mehr Arbeitsteilung bis hin zur Ausdifferenzierung von Hochkulturen.

    Staatstragende Ideologien und Religionen entstanden, und mit ihnen Sätze wie der Bibelspruch „Macht euch die Erde untertan!“ (1. Mose 1, 28). Damit wurde und wird die Herrschaft der Menschen über die Erde und alle anderen Lebewesen gerechtfertigt.

    Dieser kleine geschichtliche Exkurs zeigt: Wenn sich die Menschen heute angesichts massiver globaler Klimaveränderungen schwer damit tun, die notwendigen Gegenmaßnahmen zu ergreifen, ist das offenbar auch dem kulturellen „Gepäck“ zuzuschreiben, das sie mit sich tragen.

    Vorträge aus Geoarchäologie und Umweltgeschichte

    „Hier tut Aufklärung not!“ Das meint das Team, das die Ringvorlesung des Würzburger Altertumswissenschaftlichen Zentrums (WAZ) organisiert. Es möchte im Wintersemester 2021/22 einen kleinen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leisten, indem es den Themenkomplex „Geoarchäologie und Umweltgeschichte“ aufgreift.

    Fachleute aus Geographie und Altertumswissenschaften kommen zu Wort und geben exemplarische Einblicke in die frühen Stadien kultureller Eingriffe in die Natur. Ihr Ziel ist es, den Zusammenhängen von Ökologie, Ideologie und Politik mit Fallbeispielen aus der Vorgeschichte bis in die Neuzeit auf den Grund zu gehen.

    Alle Vorträge finden digital statt und beginnen um 18:15 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Um Zugang zu den Webinaren zu erhalten, müssen Interessierte auf die dafür eingerichteten Links auf der WAZ-Homepage klicken:

    https://www.uni-wuerzburg.de/forschung/waz/

    Themen und Termine

    • Montag, 25.10.21: Alle Hindernisse weichen seiner Tapferkeit. Der römische Kaiser als Naturbezwinger. Dr. Marcel Danner (Universität Würzburg)
    • Montag, 08.11.21: Klimadynamik und Küstenveränderungen – Einfluss auf die Kulturgeschichte Mesopotamiens. Dr. Max Engel (Universität Heidelberg)
    • Montag, 22.11.21: Urnenfelderzeitlicher Kulturwandel und Klima im 12. Jh. v. Chr. Prof. Dr. Frank Falkenstein (Universität Würzburg)
    • Montag, 06.12.21: Papyrusdickicht, Lagune und Tempel: Natur- und Kulturlandschaften im Nildelta vom 5. bis zum 2. Jahrtausend v. Chr. PD Dr. Eva Lange-Athinodorou (Universität Würzburg)
    • Montag, 17.01.22: Wirkungen extremer Witterung auf die Menschen in Mitteleuropa seit der Spätantiken Kleinen Eiszeit. Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork (Universität Kiel)
    • Montag, 31.01.22: Zwischen Macht und Ohnmacht: Wasser als Ressource und Deutungskategorie – Griechen und Nicht-Griechen in klassischer und moderner Zeit. Dr. Dr. Christopher Schliephake (Universität Augsburg)

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