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    Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie

    Pressespiegel - Meldung

    Archäologie: Auf Schatzsuche

    09/14/2015

    Auf dem Bullenheimer Berg forschen Würzburger nach Spuren der Urnenfelderkultur

    Eine archäologische Ausgrabung, wie hier am Bullenheimer Berg, fordert von den Forschern viel Geduld.

    Auch wenn es eine romantische Vorstellung ist: Archäologen befinden sich nur selten auf der Jagd nach sagenhaften Goldschätzen. Für die Forscher ist das auch meist gar nicht ausschlaggebend. Sie sind auf der Suche nach etwas anderem. „Gerade unscheinbare Funde wie Gewandnadeln oder Keramikscherben vermitteln ein lebendiges Bild der Vergangenheit“, meint Professor Frank Falkenstein.

    Wer sich für ein Studium interessiert, sollte neugierig sein. Archäologie ist eine Wissenschaft des Aufspürens und Entschlüsselns der Spuren, die vergangene Kulturen - beabsichtigt oder zufällig - hinterlassen haben. Und genau nach diesen Spuren sucht Falkenstein. Der Inhaber des Würzburger Lehrstuhls für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie forscht mit seinem Team derzeit am Bullenheimer Berg bei Seinsheim in Mittelfranken.

    Nach der Entdeckung eines Bronzedepots wurden auf dem Bullenheimer Berg in den 1980er Jahren vom damaligen Würzburger Institut für Vor- und Frühgeschichte aus erstmals wissenschaftliche Ausgrabungen durchgeführt. Das Ergebnis: Es konnte die jeweilige Randbefestigung von fünf aufeinander folgenden Befestigungsphasen festgestellt werden. Sie stammten etwa aus der Hügelgräberbronzezeit, der Urnenfelderzeit und dem Frühmittelalter.

    Nach einer rund 20-jährigen Forschungsunterbrechung sind im Frühjahr 2010 vom Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Würzburg aus neue Feldforschungen auf dem Bullenheimer Berg aufgenommen worden. Und auch aktuell nehmen Würzburger Archäologen den Bullenheimer Berg wieder ganz genau unter die Lupe. „Stücke aus Edelmetall werden wir wohl ohnehin nicht finden. Leider waren bereits illegale Sondengänger zugange.“

    Dennoch setzt der Professor große Hoffnungen in das etwa 30 Hektar umfassende Areal, das einst von Angehörigen der Urnenfelderkultur besiedelt war. „In der späten Bronzezeit erstreckte sich hier eine Höhensiedlung mit einem gut funktionierenden Logistiknetz. Getreide und Ressourcen mussten erst aus dem Tal auf das Bergplateau verbracht werden.“ Umso beeindruckender, aus welcher Zeit die Funde der Archäologen datieren:

    „Durch Radiokarbonanalysen konnte nachgewiesen werden, dass die Menschen der Urnenfelderkultur zwischen 1345 v. Chr. und 800 v. Chr. auf dem Berg ansässig waren.“ Und die Forscher bekommen ein stetig besseres Bild von den Lebensumständen der Siedler. „Neben Befestigungswällen haben wir auch Pfostengrundrisse von Häusern auf Wohnterrassen  entdeckt.“

    Erleichtert wird ihre Arbeit durch den Einsatz modernster Technik. Das Grabungsgebiet wurde mithilfe eines digitalen Geländemodells erfasst, außerdem wird die Ausgrabung bis ins Detail digital dokumentiert. „Archäologie ist eine Altertumswissenschaft, die in die Zukunft weist!“

    In: campus Uni Würzburg, September 2015; Texte: Katharina Stahl, Uni Würzburg; Fotos: Theresa Müller

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