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    Philosophische Fakultät

    Wichtige Daten der Geschichte der Philosophischen Fakultät

    Schon die 1402 gestiftete erste Würzburger „Hohe Schule“ verfügte neben einer theologischen und einer juristischen über eine philosophische Fakultät, über die allerdings wenig bekannt ist. Der bei der Zweitgründung der Universität durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im Jahr 1582 ins Leben gerufenen Philosophischen Fakultät kam im Rahmen der humanistischen Bildungsreform des 16. Jahrhunderts eine besondere Bedeutung zu, da sie zum einen das Bindeglied zum höheren Schulwesen bildete, zum andern das Lehrangebot der Philosophischen Fakultät einen propädeutischen Charakter hatte; erst der Erwerb eines ersten Abschlusses hier berechtigte zum Studium in den anderen drei Fakultäten (Theologie, Jura, Medizin). Diese Praxis existierte an allen deutschen Universitäten bis ins frühe 19. Jahrhundert. Die Würzburger Philosophische Fakultät war bis zu dessen Aufhebung 1773 stark vom Jesuitenorden geprägt. Neben den klassischen geisteswissenschaftlichen Disziplinen wie alte Sprachen und Philosophie, gehörten auch die Mathematik und die sich seit dem 18. Jahrhundert an den Universitäten etablierenden naturwissenschaftlichen Fächer zum Spektrum der Philosophischen Fakultät. Einen großen Aufschwung erfuhr die Philosophische Fakultät im 18. Jahrhundert durch die Universitätsreformen der Fürstbischöfe Friedrich Karl von Schönborn (1729-1746), Anselm Franz von Ingelheim (1746-1749), Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779) und Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) und durch den Rektor (1784-1788) Carl Theodor von Dalberg (1744-1817), den späteren Kurfürsten von Mainz, Erzbischof von Regensburg und Fürstprimas des Rheinbunds.
    Als Folge der zunächst vorübergehenden Zugehörigkeit Würzburgs zu Bayern (1802/03-1806) wurde im Rahmen einer umfassenden Universitätsreform die Philosophische Fakultät zugunsten der sogenannten Hauptklasse der allgemeinen Wissenschaften aufgelöst, welche die Sektionen Philosophie, Mathematik/Physik, Geschichte und Philologie/Schöne Künste umfasste. Für diese wurden bedeutende Gelehrte berufen, so der Philosoph Friedrich Wilhelm von Schelling (1775-1854). Die bayerischen Universitätsreformen wurden durch den seit 1806 in Würzburg regierenden habsburgischen Großherzog Ferdinand von Toskana (1769-1824) überwiegend wieder rückgängig gemacht und nach dem endgültigen Übergang Würzburgs an Bayern 1814 von der Münchener Regierung nicht wieder aufgegriffen. Während des gesamten 19. Jahrhunderts hindurch hatte die Philosophische Fakultät neben dem sich nun entwickelnden eigenständigen, auf die Verbindung von Forschung und Lehre gerichteten Profil weiter eine Dienstleitungsfunktion für die anderen Fakultäten, wobei diese sich allmählich zu einem Studium Generale wandelte, welches bis 1906 in Bayern verpflichtend war. 1878 wurde der Auseinanderentwicklung von Geistes- und Naturwissenschaften insofern Rechnung getragen, als innerhalb der Gesamtfakultät getrennte Sektionen – eine philosophisch-historische und eine mathematisch-naturwissenschaftliche – eingerichtet wurden. Endgültig schieden die naturwissenschaftlichen Fächer erst 1937 aus der Philosophischen Fakultät aus. Der damals neu geschaffenen Naturwissenschaftlichen Fakultät wurden auch die „Erdwissenschaften“ (Geographie, Geologie, Mineralogie“) zugeordnet.
    Im Zuge des Ausbaus der Universitäten seit den 1960er Jahren, von der auch die Universität Würzburg profitierte, wurde 1972 die vorher selbständige Pädagogische Hochschule als Erziehungswissenschaftliche Fakultät in die Universität integriert und schließlich als Folge des Inkrafttretens des Bayerischen Hochschulgesetzes 1974 die damals sieben Fakultäten in 13 Fachbereiche umgewandelt. Für die Philosophische Fakultät hatte diese zur Folge, dass aus ihr drei neue Einheiten hervorgingen: die Philosophischen Fachbereiche I (Altertums- und Kulturwissenschaften), II (Neuphilologien, Geschichte, Kunstgeschichte) und III (Philosophie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften). Die Erdwissenschaften bildeten seither den eigenständigen Naturwissenschaftlichen Fachbereich III. 1977 gingen der selbständig gebliebene Fachbereich Erziehungswissenschaften und dessen Fächer überwiegend im Philosophischen Fachbereich III auf, die Fachdidaktiken wurden ihren Mutterwissenschaften in den jeweiligen Fachbereichen zugeordnet. Bereits 1980 erfolgte die Umbenennung der Fachbereiche in Fakultä-ten, wobei sich der Naturwissenschaftliche Fachbereich III nun Fakultät für Geowissenschaften nannte. 2007 wurden schließlich im Rahmen einer Neuordnung der Organisationsstruktur der Universität Würzburg die Philosophischen Fakultäten I und II sowie die Fakultät für Geowissenschaften zu einer neuen „Philosophische Fakultät I (Historische, Philologische, Kultur- und Geographische Wissenschaften)“ (wieder-)vereinigt. Damit befindet sich die überwiegende Mehrzahl der Fächer der alten, ungeteilten Philosophischen Fakultät wieder unter einem gemeinsamen Dach, das Institut für Geographie bildet hierbei gleichsam eine Brücke zu den naturwissenschaftlichen Fächern und erinnert an die gemeinsamen Wurzeln von Geistes- und Naturwissenschaften in der frühmodernen Philosophischen Fakultät.
    In den späten 1960er Jahren begann die sukzessive Verlegung der meisten geisteswissenschaftlichen Fächer aus der Würzburger Innenstadt an das Universitätsgelände am Hubland, so dass sich heute der größte Teil der Philosophischen Fakultät dort befindet.


    Zum 1. Oktober 2014 wurde die Philosophische Fakultät I in Philosophische Fakultät (Historische, Philologische, Kultur- und Geographische Wissenschaften) und die Philosophische Fakultät II in Fakultät für Humanwissenschaften umbenannt.

    Literaturhinweise

    Eine Geschichte der Philosophischen Fakultät der Universität Würzburg existiert bisher nicht. Verwiesen werden kann auf folgende Arbeiten:

    •    Baumgart, Peter: Bildungswesen und Geistesleben (1525-1814), in: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. Bd. 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Kö-nigreich Bayern 1814. Stuttgart 2004, S. 351-381

    •    Baumgart, Peter (Hrsg.): Lebensbilder bedeutender Würzburger Professoren. Neustadt/Aisch 1995 (= QBGUW, Bd. 8)

    •    Baumgart, Peter (Hrsg.): Die Universität Würzburg in den Krisen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Biographisch-systematische Studien zu ihrer Geschichte zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Neubeginn 1945. Würzburg 2002 (= QFGBHW, Bd. 58)

    •    Baumgart, Peter (Hrsg.): Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Neu-stadt/Aisch 1982 (= QBGUW, Bd. 6)

    •    Grün, Bernhard/Johannes Schellakowsky/Matthias Stickler/Peter A. Süß (Hrsg.): Zwischen Korporation und Konfrontation. Beiträge zur Würzburger Universitäts- und Studentenge-schichte. Köln 1999

    •    Herde, Peter/Anton Schindling (Hrsg.): Universität Würzburg und Wissenschaft in der Neu-zeit – Beiträge zur Bildungsgeschichte. Gewidmet Peter Baumgart anlässlich seines 65. Ge-burtstages. Würzburg 1998 (= QfGBHW, Bd. 53)

    •    Stölzle, Remigius: Die philosophische Fakultät der Universität Würzburg sonst und jetzt, in: Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland 122 (1898), S. 693-696

    •    Süß, Peter A.: Grundzüge der Würzburger Universitätsgeschichte 1402-2002. Eine Zusam-menschau. Neustadt/Aisch und Rothenburg ob der Tauber 2007 (= QBGUW, Bd. 10)

    •    Süß, Peter A.: Kleine Geschichte der Würzburger Julius-Maximilians-Universität. Würzburg 2002

    •    Urlichs, Carl Ludwig von: Die philosophische Fakultät der Universität Würzburg. Festrede zum 304. Stiftungstag der Universität am 2.1.1886. Würzburg 1886

    •    Wegele, Franz Xaver von: Geschichte der Universität Wirzburg. I. Teil: Geschichte, II. Teil: Urkundenbuch. Würzburg 1882 (ND Aalen 1969)

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