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    Lehrstuhl für vergleichende Sprachwissenschaft

    Gesellschaftliche Krisen in Vergangenheit und Gegenwart: Ein interdisziplinärer Krisengipfel

    Im Frühjahr 2020 hatte die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Promovierende und frühe Postdocs aus den Kleinen Fächern zur Entwicklung neuer Kommunikations- und Vernetzungsstrategien aufgerufen. Mit der gemeinsamen Initiative „Kleine Fächer: Sichtbar innovativ!“ würdigen die HRK und das Bundesministerium für Bildung und Forschung die sogenannten Kleinen Fächer, die mit ihren vielfältigen Perspektiven einen entscheidenden Beitrag zum Reichtum der deutschen Hochschullandschaft und zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten. 19 Projekte haben in dem bundesweiten Wettbewerb „Kleine Fächer: Sichtbar innovativ!“ die Möglichkeit erhalten, ihre Ideen umsetzen. Eines dieser Projekte wurde von Theresa Roth (Marburg) und Kristina Becker (Würzburg) beantragt.

    Das Projekt beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Krisen in historischen und aktuellen Kontexten und nimmt damit auch Bezug auf die Corona-Pandemie und den Beitrag, den Kleine Fächer zum Diskurs rund um dieses Thema leisten können. Denn angesichts der pandemischen Ausnahmesituation, die momentan Gesellschaften auf der ganzen Welt beherrscht, haben wissenschaftliche Themen Hochkonjunktur in der medialen Öffentlichkeit und werden von einem breiten Publikum wahrgenommen und nachgefragt. Im Mittelpunkt steht dabei die Expertise zum unmittelbaren Kern der Krise – dabei können auch geisteswissenschaftliche Kleine Fächer wichtige Erkenntnisse zu dem Diskurs beitragen, wie das Leben nach Corona weitergeht. Themen wie Resilienz oder Krisenmanagement können anhand von sprachlichen und materiellen Zeugnissen in ihrer langfristigen Entwicklung und in einem gesellschaftlichen Gesamtkontext erforscht werden, da schon in den frühesten Kulturen kollektive Krisenerlebnisse dokumentiert wurden.

    Bei unserem interdisziplinären Workshop am 29. und 30.01.21 haben wir Forschende aus großen und kleinen Fächern zusammengebracht, um über Krisen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu diskutieren. Wir wollten auf diesem Weg das Spezialwissen geisteswissenschaftlicher Kleiner Fächer mit demjenigen größerer oder aktueller Disziplinen wie der Psychologie oder Soziologie vernetzen, um zu zeigen, dass wir aktuellen und zukünftigen Fragestellungen am besten gemeinsam begegnen können. Dabei ging es neben den ganz unterschiedlichen Krisen, die in den verschiedenen Fächern relevant sind, auch um den Austausch über unsere verschiedenen Herangehensweisen, Methoden und Zielsetzungen.

    Programm 
    Teilnehmende

    Im Verlauf des Workshops haben sich überraschend viele Themenfelder als vielversprechende Schnittstellen herausgestellt, die wir alle in einer großen Mindmap gesammelt haben. Auf der linken Seite sind dort die verschiedenen am Krisengipfel beteiligten Fächer und ihre Themen uns Ausgangspunkte zusammengestellt, die rechte Seite zeigt die Themen und Ideen, die sich während des Workshops in der gemeinsamen Diskussion ergeben haben.

    Als ein wichtiger Ausgangspunkt für den interdisziplinären Austausch erwies sich die grundlegende Frage der Begriffsbestimmung (z.B. Krise vs. Katastrophe), zu der die einzelnen Fächer ihre jeweiligen Sichtweisen einbringen konnten. Als zentrales Merkmal von Krisen wurde besonders ihre sprachliche und gesellschaftliche Konstruiertheit immer wieder thematisiert, aber auch die Wechselwirkungen zwischen krisenhaften Situationen und sozialen Faktoren wie Macht und Geld bzw. Prekariat und Armut sind in vielen der beteiligten Fächer greifbar. Aus diesen Überlegungen und weiteren Diskussionen zu Bewältigungspraxis und Sinnzuschreibungen resultierte die Erkenntnis, dass Narrationen und Narrativität von Krisen einen methodischen Zugang bilden, der sowohl für viele altertumswissenschaftliche als auch moderne Fächer spannende Anknüpfungsmöglichkeiten bietet. Nicht zuletzt konnte die Veranstaltung, besonders durch den engagierten Austausch der Teilnehmenden, den Wert interdisziplinärer Forschung unterstreichen und die Fruchtbarkeit der Verknüpfung ganz unterschiedlicher Perspektiven bestätigen.

     

    Kristina Becker, Lehrstuhl für Vergleichende Sprachwissenschaft, Julius-Maximilians-Universität Würzburg (kristina.becker@uni-wuerzburg.de)

    Theresa Roth, Fachgebiet Vergleichende Sprachwissenschaft und Keltologie, Philipps-Universität Marburg (theresa.roth@staff.uni-marburg.de

    Weitere Informationen (HRK)

     

    Der Podcast zum Krisengipfel

    Was ist der Krisengipfel-Podcast?
    mit
    Kristina Beckerund
    Theresa Roth

    Wann ist eine Krise überhaupt eine Krise und wer bestimmt darüber?
    mit
    Stefan Schreiber(Archäologie)
    Julian Hamann(Soziologie)

    Wie lassen sich Krisen in Vergangenheit und Zukunft (be-)schreiben und analysieren?
    mit
    Karolin Wetjen(Geschichte)
    Sascha Dannenberg(Zukunftsforschung)

    Wie werden Krisen literarisch verarbeitet und in unser kulturelles Gedächtnis aufgenommen?
    mit
    Elyze Zomer (Altorientalistik)
    Elena Parina (Keltologie)
    Dominik Zink (Literaturwissenschaft)

    Wie gehen Individuen mit einer gesellschaftlichen Krise um?
    mit
    Thomas Simon(Medizin)
    Luca Tjaden(Zukunftsforschung)

    Mit welchen Erklärungsmodellen oder Therapieformen kann man Krisen begegnen?
    mit
    Theresa Roth(Indogermanistik)
    Nick Augustat(Psychologie)

    Kann man Krisenkompetenz erwerben und vermitteln?
    mit
    Kristina Becker(Linguistik)
    Marion Schneider(Klassische Philologie)