Forschung

Die Forschungsschwerpunkte der Würzburger Indogermanistik liegen auf den Gebieten Phonologie, Morphologie, Syntax und Lexikologie der indogermanischen Einzelsprachen, vor allem des Altindischen, Altiranischen, Griechischen, Lateinischen, Germanischen, Hethitischen, Armenischen, Keltischen sowie der gemeinsamen Grundsprache; Theorien der Allgemeinen Sprachwissenschaft, vor allem über Syntax, Sprachtypologie, Sprachwandel, grammatische Kategorien.

 

Projekt: "Körperverletzung im altirischen Recht"

Das Drittmittelprojekt am Lehrstuhl für Vergleichende Sprachwissenschaft an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit dem Titel: „Körperverletzung im altirischen Recht“ - gleichzeitig das Dissertationsthema des Bearbeiters Bernd Vath - behandelt zentral den altirischen Rechtstext Di ércib fola „Über die éric-Strafen beim Blutvergießen“ unter Einbeziehung der zugehörigen mittelirischen Kommentare.

Der Rechtstext selbst liegt bereits in zwei Editionen mit recht freier Übersetzung in englischer Sprache vor. In der Auseinandersetzung mit diesem Text in insgesamt vier Lektürekursen am Lehrstuhl für Vergleichende Sprachwissenschaft der Universität Würzburg zum Altirischen Recht (Sommersemester 2014 bis Wintersemester 2015/16) wurde der Text grammatisch annotiert und mit einer – zunächst noch vorläufigen - deutschen Übersetzung versehen. Dabei wurde vor allem das Fehlen eines Glossars zu diesem Rechtstext von den Beteiligten zunehmend als problematisch empfunden. Darüber hinaus sind aufgrund der oftmals freien Übersetzung in den englischen Bearbeitungen an einigen Stellen durchaus andere Lesungen der Textstellen zu erwarten; ferner dürften auch die Bedeutungen einiger der in diesem Text verwendeten (Rechts)Termini durch eine genaue philologische und semantische Untersuchung besser festlegbar bzw. enger eingrenzbar sein.

Geplant ist daher eine Textedition mit deutscher Übersetzung und angehängtem Glossar als Dissertation an der Universität Würzburg durchzuführen, bei der auch die wichtigen Rechtstermini ausführlich behandelt werden. Beim Glossar ist dabei eine möglichst große Kompatibilität mit dem Standardlexikon für das Alt- und Mittelirische, das „Dictionary of the Irish Language“ (DIL) angestrebt, um später eine mögliche Einarbeitung des Wortmaterials in das DIL für dessen Bearbeiter zu erleichtern. Da in das DIL nur das Wortmaterial einiger weniger alt- und mittelirischer Rechtstexte eingearbeitet ist, könnte mit einer wissenschaftlichen Aufbereitung vor allem des juristischen Wortschatzes aus Di ércib fola zumindest der Anfang gemacht werden, eine sicher nicht unbeträchtliche Lücke im DIL zu schließen. Die Arbeit an dem Glossar zum Rechtstext Di ércib fola hat dabei gewissermaßen auch Pilotcharakter für die lexikografische Aufbereitung der sprachlich schwierigen juristischen Ausdrucksweise im Irischen: Die zur Zeit maßgebliche Textausgabe zum älteren irischen Recht, das Corpus Iuris Hibernici (CIH), umfasst insgesamt 6 Bände mit über 2300 Seiten. Die Mehrzahl des Wortmaterials dieses Corpus wurde bisher im DIL noch nicht erfasst. Es wird angestrebt zu versuchen, hierzu grundlegende Überlegungen und Lösungen zu bieten.

 

Projekt: "Infinitive und ihre Vorstufen im Vedischen und Griechischen"

Untersucht wird einerseits die Verwendung von Verbalabstrakta im Vedischen, insbesondere in finaler Funktion, andererseits jene des Infinitivs im homerischen Griechischen. Ziel ist es, syntaktische Strukturen aufzuzeigen, die beiden Sprachen gemeinsam sind und daher als ererbt gelten dürfen. Ausdrucksmittel im Vedischen sind im wesentlichen Kasusformen von mit unterschiedlichen Suffixen gebildeten Verbalabstrakta, während das Griechische in denselben Kontexten einen eigentlichen Infinitiv einsetzt, der daneben auch als Komplementinfinitiv verwendet wird.

Der vedische Teil der Studie wird von Heinrich Hettrich verantwortet, der griechische von Karin Stüber.

 

Projekt: "Index verborum des Atharvaveda der Paippalādasaṃhitā und der Śaunakīyasaṃhitā"

Nach dem Abschluss des Projektes „Die Paippalādasaṃhitā des Atharvaveda. Kāṇḍa 8 und 9. Eine neue Edition mit Übersetzung und Kommentar“ (Opens external link in new windowDettelbach 2014) wurde im Herbst 2014 die Er­stellung eines Index verborum von Dr. Jeong-Soo Kim in Angriff genommen.

Als Erstes wurde eine verbesserte Version des Kāṇḍa 16 der Paippalādasaṃhitā erstellt, der sich mit 155 Kāṇḍikās durch seinen großen Umfang auszeichnet. Danach wurden die bereits publizierten (und teilweise noch nicht publizierten) Kāṇḍa-Bearbeitungen durchgelesen. Aus diesen wurden sämtliche Wörter in den Index aufge­nommen. Darüber hinaus fanden hier Eingang auch die Wörter der Śaunakīyasaṃhitā, die in einer Parallelstelle zur Paippalādasaṃhitā erschienen. Die Aufnahme der Wörter aus der Śaunakīyasaṃhitā scheint erforderlich zu sein, weil Whitneys „Index verborum to the published text of the Atharva-Veda“ (1881) trotz seiner soliden Arbeit dem heutigen Forschungsstand nicht mehr entspricht.

Die Initiates file downloadPaippalādasaṃhitā des Atharvaveda Kāṇḍa 16. Eine verbesserte Version mit den Parallelstellen der Śaunaka-Śākhā.

Initiates file downloadIndex Verborum des Atharvaveda der Paippalādasaṃhitā und der Śaunakīyasaṃhitā (eine vorläufige Version).

 

Projekt: "Die Funktion und Entwicklung von Lokalpartikeln im Vedischen"

In der Indogermanistik gilt es als weitgehend gesicherte Erkenntnis, dass Präverbien und Adpositionen der Einzelsprachen sich aus einer Klasse voreinzelsprachlicher selbständiger Adverbien (Lokalpartikeln - LP - genannt) entwickelt haben. Für die Verben ist dies in den frühesten Phasen der Einzelsprachen (Hethitisch, Vedisch, Altavestisch, homerisches Griechisch) daran zu erkennen, dass vielfach eine - semantische ebenso wie formale - Univerbierung von LP und Verb noch nicht erfolgt ist, so dass vielfach noch nicht von Präverbien im eigentlichen Sinn gesprochen werden kann. Desweiteren können viele dieser nachmaligen Adpositionen in diesen frühen Sprachstadien noch als selbständige Adverbien, ohne feste Zuordnung zu einem Nomen oder Verb, gebraucht werden.
Bisher fehlt eine umfassende Untersuchung, die die Tragweite dieser Thesen für die indogermanische Grundsprache sowie die vorauszusetzenden Entwicklungen hin zu den ältesten Einzelsprachen untersucht. Dies soll durch das Projekt für die Sprache des Rgveda geschehen. Es zeichnen sich bereits erste Ergebnisse ab, wonach einerseits die LPs an einem großen Teil ihrer Belege in der Tat noch als selbständige Adverbien zu verstehen sind, die - soweit sie ein Bezugsnomen haben - dieses nicht wie später regieren, sondern lediglich als Attribut oder Apposition modifizieren und - soweit sie syntaktisch enger zu einem Verb gehören - mit diesem vielfach weder semantisch noch formal verschmolzen sind. Allerdings scheint dieser Regelfall für die verschiedenen vedischen LPs in einem sehr unterschiedlichen Ausmaß zu gelten, und es stehen Fälle daneben, die auf einer gestuften Übergangsskala von adverbialer LP bis zur voll ausgebildeten Adposition schon näher an diesem letzteren Pol stehen. Das Projekt strebt in diesen Punkten eine grundsätzliche und auch eine Detailklärung für die Sprache des RV an, die dann eine wesentliche Voraussetzung für eine verläßliche Rekonstruktion des uridg. Sprachzustandes sein wird.

Initiates file downloadPublikationen des Projekts

 

 

Internationales Projekt: "Indogermanische Syntax"

Eine Forschungsgruppe hat unter der Leitung von Prof.Dr. Oswald Panagl (Univ. Salzburg), Prof. Dr. José Luis García Ramón (Univ. Madrid/Köln) und Prof.Dr. Heinrich Hettrich (Univ. Würzburg) die Arbeit an einer Darstellung der indogermanischen Syntax aufgenommen. Diese Syntax soll in mehreren Bänden innerhalb der "Indogermanischen Grammatik" erscheinen. Prof. Hettrich bearbeitet den von der DFG geförderten Bereich "Indogermanische Kasussyntax". Als Vorarbeiten dazu werden zur Zeit die Kasussyntax des rigvedischen Sanskrit (zugänglich als pdf-Datei im Downloadbereich) (Prof. Hettrich), des Hethitischen (Prof. Nowicki) und des homerischen Griechisch (Dr. Conti, Madrid) neu erarbeitet.