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Irish Studies Würzburg

Irland, wie es wirklich ist

01.06.2022

Zwei Professorinnen der Uni setzen mit Irland einen neuen interfakultären Schwerpunkt. Die Auftaktveranstaltung der „Irish Studies Würzburg“ findet am 16. April 2021 um 16:30 Uhr statt. Sie steht auch Nicht-Akademikern offen.

Logo der „Irish Studies Würzburg“. Die Auftaktveranstaltung findet am 16. April 2021 statt.
Logo der „Irish Studies Würzburg“. Die Auftaktveranstaltung findet am 16. April 2021 statt. (Bild: Universität Würzburg)

Der Brexit wird extreme Auswirkungen auf Irland haben. Die Ausschreitungen der letzten Tage in Belfast haben dies deutlich gezeigt. Welche Konsequenzen sie befürchten, davon berichten die nordirischen Autorinnen Colette Bryce und Jan Carson am 16. April beim Kick-off Event der „Irish Studies Würzburg“ (ISWÜ). Mit der virtuellen Veranstaltung wird das neu gegründete interfakultäre Forum ISWÜ an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg offiziell eröffnet. Eingerichtet wurde es bereits im vergangenen Sommersemester von den Professorinnen Ina Bergmann und Maria Eisenmann.

Enge Verbindung zu Irland

Irland, seit 1922 ein unabhängiger Staat und seit 1973 Mitglied der Europäischen Union, hat hierzulande viele Fans. Vor über 60 Jahren weckte Heinrich Böll durch sein „Irisches Tagebuch“ die Sehnsucht nach der grünen Insel. Wenige Jahre später begannen „The Dubliners“ für Irland zu begeistern. Maria Eisenmann, Inhaberin des Lehrstuhls für Fachdidaktik – Moderne Fremdsprachen an der JMU, fing in den 1990er Jahren Feuer. „Damals reiste ich auf eigene Faust für mehrere Wochen mit dem Auto über die Insel“, erzählt die Professorin, die seit 2015 in Würzburg forscht und lehrt.

Ob man immer in seiner Heimat lebt oder migriert, ist ein wesentlicher Unterschied, der die eigene Identität prägt. Viele Iren, die seit der Industriellen Revolution nach Amerika ausgewandert sind, können davon berichten. „Die Bezüge zwischen den USA und Irland sind vielfältig und faszinierend“, sagt die Amerikanistin Ina Bergmann. Durch Kontakte zu irischen Hochschulen begann sie, sich immer intensiver für irisch-amerikanische Literatur, Kultur und Geschichte zu interessieren. Der Wunsch, intensiver zu forschen, erwachte. Durch die Zusammenarbeit mit Maria Eisenmann kam es schließlich zur Einrichtung der ISWÜ.

Kooperation mit der Universität Cork

Dass das Forum gerade am 16. April offiziell aus der Taufe gehoben wird, hat einen speziellen Anlass: An diesem Tag jährt sich der Geburtstag des irischen Dramatikers John Millington Synge, der eine Weile an der JMU in Würzburg studierte, zum 150. Mal. Bei der Auftaktveranstaltung wird Jochen Achilles, emeritierter Amerikanistik-Professor der JMU, darauf eingehen. Weiter wird er aufzeigen, inwieweit Irland und die Iren mit Europa und der Welt verbunden sind. Schließlich wird er die Entwicklungen in den European Irish Studies sowie die Internationalisierung des irischen Dramas aus deutscher Sicht beleuchten. Dr. Damian Bracken, Dozent am University College Cork referiert über St. Columbanus, der als einer der ersten Iren Einfluss auf Europas Geschichte hatte.

In den kommenden Semestern soll das Forum ISWÜ Zug um Zug ausgebaut werden. Bereits in diesem Sommersemester wird in der Reihe „WueGlobal“ ein virtuelles Konversationsseminar unter Beteiligung der Universität Cork stattfinden. Außerdem wird es Lehrveranstaltungen und Gastvorträge zu Irland geben. Zudem planen Bergmann und Eisenmann ein interdisziplinäres Symposium zu Irland, bei dem Literaturwissenschaftler, Fachdidaktiker und Historiker zu Wort kommen sollen. Künftig würden die beiden Forscherinnen auch gern Gastprofessoren einladen.

Öffnung auch für Nicht-Akademiker

Das Forum kommt letztlich allen Bürgern zugute, die auf der Suche nach Experten zum Thema „Irland“ sind. Eisenmann und Bergmann wollen mit den „Irish Studies Würzburg“ ausdrücklich auch nicht-akademischen Kreisen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zum internationalen Dialog eröffnen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger mit Irland-Passion, die am 16. April am Kick-off-Event via Zoom teilnehmen, lernen dabei unter anderem den irischen Botschafter, Dr. Nicholas O’Brien, und auch Professorin Katharina Rennhak kennen, Präsidentin der European Federation of Associations and Centres of Irish Studies (EFACIS). „Irish Studies Würzburg“ gehört seit seiner Einrichtung EFACIS an.

ISWÜ ist ein ambitioniertes Projekt, das hervorragend nach Würzburg passt – hat die Domstadt doch eine über 1300-jährige Verbindung nach Irland. Im 7. Jahrhundert kamen die irischen Wandermönche Kilian, Kolonat und Totnan nach Franken, um hier den christlichen Glauben zu verbreiten. Kilian ist bis heute der bekannteste von ihnen. An ihn erinnert zum einen der Kiliansdom, zum anderen das „Kiliani“ als das größte kirchliche und weltliche Fest in der Region. Wegen dieser vielfältigen Bezüge gilt Würzburg als „die irische Stadt auf dem Kontinent“. Würzburger Irland-Liebhaber schlossen sich 1986 zur Deutsch-Irischen Gesellschaft zusammen, die ebenfalls mit ISWÜ kooperiert.

Mehr als nur Klischees

Selbst Irlandfans besitzen jedoch oft nur rudimentäre Kenntnisse in Irlandistik. Stereotype prägen das Bild. Beim Stichwort „Irland“ fällt den meisten Menschen die Farbe Grün ein, andere denken als erstes an irische Pubs. Was dran ist an landläufigen Klischees, kann am 16. April mit den Autorinnen Colette Bryce und Jan Carson diskutiert werden. Colette Bryce, 1970 im nordirischen Derry geboren, wurde mit dem britischen Literaturpreis Cholmondeley Award ausgezeichnet. Die Belfasterin Jan Carson erhielt 2019 für ihren Roman „The Fire Starters“ den Literaturpreis der Europäischen Union.

Dass man in einem deutschen Buchladen auf die beiden Schriftstellerinnen stößt, ist eher unwahrscheinlich, dabei sind beide interessant und haben viel zu sagen. Davon zeugt zum Beispiel ein Gastbeitrag von Jan Carson im „Tagesspiegel“ vom Juni 2020. Unter der Überschrift „Im Königreich der Risse“ geht die Autorin auf die Corona-Pandemie und den Brexit ein. Sie quäle sich mit Zweifeln, was ihre Identität anbelangt, bekennt Carson, die einen britischen und einen irischen Pass besitzt, in ihrem Beitrag. „Bis vor kurzem war mir meine britische Identität sehr bewusst, aber in Belfast die täglichen Verlautbarungen aus Downing Street zu sehen, war eine zunehmend befremdliche Erfahrung“, schreibt sie wörtlich. Sie beschleiche allmählich der Verdacht, dass die Tory-Regierung „weder viel von Nordirland versteht, noch sich besonders dafür interessiert“.

Links

Amerikanistik der JMU

Fachdidaktik – Moderne Fremdsprachen der JMU

Irish Studies Würzburg (ISWÜ)

Kontakt

Prof. Dr. Ina Bergmann, Lehrstuhl für Amerikanistik, Universität Würzburg, ina.bergmann@uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Maria Eisenmann, Lehrstuhl für Fachdidaktik – Moderne Fremdsprachen, Universität Würzburg, maria.eisenmann@uni-wuerzburg.de