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  • Extracts from magical texts in antiquity (Greek, Hieratic, Demotic, Akkadian): British Library P 122; British Museum P Chester Beatty 7 and P Leiden/London, British Museum BM 34065
DFG Centre for Advanced Studies MagEIA

Ringvorlesung

Ringvorlesung Sommersemester 2024

Von bösen und guten Mächten: Dämonen, Geister und Schutzgenien in der Ritualwelt des Altertums

Mo, 18 Uhr ct., Toscanasaal der Residenz

Die Ringvorlesung wird in Kooperation vom Würzburger Altertumswissenschaftlichen Zentrum mit der Kollegforschungsgruppe MagEIA organisiert. 

Neben Menschen und Göttern bevölkerten die Welt des Altertums eine Vielzahl von Dämonen unterschiedlichster Art. Als nicht unmittelbar fassbare Wesen sind sie den Göttern ähnlich, zugleich aber den Menschen in vieler Hinsicht näher als die an ihren fernen kosmischen Wohnstätten und in ihren großen Tempeln weilenden Götter. Böse Dämonen dringen gleich Räubern oder wilden Tieren in menschliche Siedlungen ein und sorgen für Unglück, Krankheit und Tod. Verstorbene Menschen können als unruhige Totengeister die Welt der Lebenden bedrohen, und antike Ritualexperten diagnostizierten manche Krankheiten als Resultat eines Angriffs bestimmter Dämonen, von denen einige, wie die sumerische Lilith, über Jahrtausende in unterschiedlichen Kulturen bezeugt sind. Gegen diese von Dämonen ausgehenden Gefahren schützten sich die Menschen durch Unheil abweisende Amulette und unterschiedlichste Rituale. Dabei rief man nicht nur die Götter um Hilfe an, sondern wandte sich insbesondere auch an gute Geister, also an Schutzgenien, die für den Kampf gegen die bösen Mächte gerüstet waren und Mittel und Wege kannten, ihre menschlichen Schützlinge vor Unheil zu bewahren. Auch diese Schutzgenien zeichnen sich durch eine große Vielfalt aus, von besiegten Monstern wie dem Haupt der Medusa bis zu urzeitlichen Weisen mit besonderem Wissen um die Beschwörungskunst. Die Ringvorlesung stellt ausgewählte Beispiele dieser faszinierenden Gestalten vor und spannt dabei einen Bogen über zahlreiche Kulturen des Altertums vom dritten vorchristlichen Jahrtausend bis in die Spätantike.


Programm:

29.4., 18 Uhr c.t. im Toscanasaal der Residenz

Feierliche Eröffnung der Kollegforschungsgruppe MagEIA

Musikalischer Auftakt

Begrüßung - Prof. Dr. Martin Stadler, Ägyptologie
Grußworte - Prof. Dr. Paul Pauli, Präsident der Universität & Prof. Dr. Thomas Baier, Dekan der Philosophischen Fakultät
Moderation - Prof. Dr. Daniel Kölligan, Vergleichende Sprachwissenschaft

Festvortrag I - Prof. Dr. Daniel Schwemer, Altorientalistik: Zwischen Fluch und Verheißung. Der angefochtene Mensch im Licht magischer Texttraditionen aus den alten Kulturen Vorderasiens und des Mittelmeerraums
Festvortrag II - Dr. Beatrice Baragli & Dr. Svenja Nagel, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Magische Versicherung des Herrschers im Leben und im Tod: Abwehr von Dämonen, Schlangen und Hexen in Mesopotamien und Ägypten

Musikalischer Ausklang

Musikalische Umrahmung: Aktham Abou Fakher (Oud) und Felix Schneider-Restschikow (Klavier)

Empfang im Martin von Wagner Museum

Einladungskarte mit Link zur Anmeldung


13.5., 18 Uhr c.t. im Toscanasaal der Residenz

Sara Chiarini

Bote, chthonische Gottheit, Fürsprecher, Vollstrecker: zur Polyvalenz des nekydaimōn in der griechisch-römischen Ritualwelt.

Ob in Gebeten, in Anweisungen zu bestimmten Ritualen, in Fluchtafeln oder in Amuletten: die Totengeister (nekydaímones), insbesondere jene von vorzeitig (áoroi) und/oder gewaltsam (biaiothánatoi) Gestorbenen, wurden in verschiedene Ritualpraktiken der griechisch-römischen Antike mit einbezogen. Ein Überblick über die vielfältigen Rollen, die sie übernehmen konnten, soll veranschaulichen, wie unsystematisch und demzufolge unkodifiziert das Verständnis über Wesen und Fähigkeiten dieser übernatürlichen Gestalten war. Abschließend sollen einige Überlegungen zu den kulturanthropologischen Hintergründen der Polyfunktionalität von nekydaimones formuliert werden.


27.5., 18 Uhr c.t. nur online

Robert Daniel

Götter und Dämonen in griechischen Zaubertexten aus der Levante

Der im Druck befindliche Band Magica Levantina, der in der Reihe Papyrologica Coloniensia erscheinen wird, enthält 35 weitgehend unveröffentliche magische Texte aus der spätantiken Levante. Sie kommen hauptsächlich aus zwei Städten: aus Antiochien im damaligen Syrien bzw. der heutigen Turkei und aus Cäsarea Maritima im damaligen Palästina, dem heutigen Israel. Fast alle Texte wurden auf altgriechisch geschrieben. Sie sind von Alexander Hollmann (Seattle) und mir entziffert und kommentiert worden. Eine Ausnahme bildet ein aramäischer Fluch aus Antiochien, der von Margaretha Folmer (Leiden) und Rivka Elitzur-Leman (Tel Aviv) herausgegeben wird. Mit einer Ausnahme, einem Amulett gegen Epilepsie, handelt es sich bei allen Texten um Flüche. Einige von ihnen richten sich gegen Kontrahenten im Rechtsstreit, andere gegen geschäftliche Konkurrenten (z.B. gegen einen Gemüsehändler), wieder andere — im Kontext des antiken Wagenrennens — gegen Teams von Pferden und Kutschern. Ein weiterer Fluch hat den Zweck, dass ein Sklave seinem Eigentümer nicht entlaufen kann. Der Vortrag wird eine Auswahl der neuen Texte beschreiben und dabei einige der vielen griechischen, ägyptischen und jüdischen Namen von Göttern, Engeln und Dämonen behandeln.


17.6., 18 Uhr c.t. im Toscanasaal der Residenz

Rita Lucarelli

„Der mit verdrehtem Gesicht und gewalttätiger Stimme“: Wohlwollende Beschützer mit unheimlichem Namen und wie man im alten Ägypten über „Dämonen“ denkt

Die Bewohner der altägyptischen Unterwelt werden in einer Reihe von Texten, die auf Papyrus, Gräbern und Tempeln überliefert sind, häufig dargestellt und erwähnt. Obwohl ihr Name meist an bedrohliche Charakterzüge erinnert, ist ihre Hauptfunktion die des Schutzes. Durch die Analyse von Namen und Epitheta der so genannten "Dämonen" der Unterwelt, wie sie vor allem in den Sargtexten und im Totenbuch bezeugt sind, werden emische und etische Auffassungen von "Angst", "Chaos" und "Schutz" in Bezug auf die Figuren, welche den Übergang und die altägyptische Duat bevölkern, untersucht, um "Dämonen" im alten Ägypten zu rehabilitieren.


1.7., 18 Uhr c.t. im Toscanasaal der Residenz

Jon Beltz

The Mesopotamian Grim-reaper: Images of Namtar in Cuneiform Incantations and Rituals

In ancient Mesopotamia, magical incantations and rituals protected individuals against a variety of malevolent beings. One of the most common was Namtar, whose name means “fate” in Sumerian, a being who served as an underworld god, plague-bringer, and a type of “grim-reaper.” In many magical texts, Namtar appears as one of the primary agents of evil, exorcized through various means. In certain rituals, however, Namtar was invoked as an aid, helping to bind malevolent demons by oath and imprisoning witches in the underworld. This talk situates Namtar in his ambiguous position both as the target of magical texts and as an aid to healing and relief, provoking more nuanced thinking about what characterizes divine beings as “gods” or “demons” in ancient Mesopotamia, and how certain beings, such as Namtar, may fall into intermediate categories.


8.7., 18 Uhr c.t. im Toscanasaal der Residenz

Korshi Dosoo

Unruhestifter und Kindsmörder - Dämonen und andere böse Wesen in den koptischen magischen Papyri

Die Christianisierung Ägyptens beendete die Kulte der zahlreichen Götter der pharaonischen Zeit, aber sie beendete nicht den Glauben an eine Welt voller übermenschlicher Kräfte. Stattdessen wurden sie umgestaltet in Engel und Heilige, die dem allmächtigen Gott dienten, und in böse Wesen, die seiner Schöpfung schaden wollten. Der Vortrag stellt vor, auf welche Weise das Corpus der koptischen magischen Texte die dämonologische Weltsicht des christlichen Ägyptens offenbart. Diese reichen von Amuletten, die Schutz vor bösen "Winden" und vor der Dämonin Alabasdria versprechen, die neugeborene Babys bedrohte, bis hin zu Flüchen, die gefallene Engel und die Mächte der Hölle anrufen, um die Feinde des Anrufenden anzugreifen.