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    Schalmeien, Auloi, Tibia

    Schalmeien, Auloi, Tibiae – Nachbauten und Fragmente

    In den Aulosvitrinen unserer "Werkstatt" gibt es – anhand von originalen Fragmenten und rekonstruktiven Nachbauten – die unterschiedlichen Formen der paarweise gespielten Rohrblattinstrumente zu entdecken und zu vergleichen. Das Spektrum reicht von der silbernen Doppelschalmei aus einem Privatgrab aus Ur (2450 v. Chr.) über griechische Auloi bis zu späten, mit komplexen Ring- und Schiebermechanismen ausgestatteten Tibiae.

    Die Auloi aus Paestum (ca. 480 v. Chr.) haben jeweils fünf Grifflöcher auf jedem Rohr, über Griffkombinationen und Anblastechniken kann eine reichhaltige Menge unterschiedlicher Skalen auf dem Instrument gespielt werden. Somit stellt das Instrument einen frühen Beleg für den Stil der sog. ‚Neuen Musik‘ dar, die unter anderen von Platon verachtet wurde. Sieben bzw. acht Grifflöcher weisen die Berliner Auloi auf (Ägyptisches Museum Berlin, Ägypten, 3.–1. Jh. v. Chr.). Während des Spiels wurden einzelne Öffnungen wohl verstopft bzw. mit verschließenden Metallringen abgedeckt (wie an diesem Nachbau an einem Rohr zu sehen ist).

    Ein in Pergamon gefundenes (und heute verschollenes) Aulosrohr ist die bereits in der Antike gefertigte Bronze-Nachbildung eines Aulos: Es handelt sich dabei um einen Typ mit Schiebermechanismus, der es ermöglichte außer Reichweite der Spielerhand liegende Tonlöcher zu schließen. Die spätantiken Tibiae aus Pompeii (100 v. Chr. bis 79 n. Chr.) und Poetevio (Slowenien, 2.-3. Jh. n. Chr.) bestehen aus Elfenbein- resp. Knochen-Rohren, die mit Metall, bzw. speziell einer Kuperlegierung ummantelt wurden. Zahlreiche Ringe und verschiebbare Einzelteile lassen auf einen reichen Ambitus und große tonartliche Differenzierung schließen und belegen die technische Perfektionierung und Professionalisierung des Blasinatruments.

    Dahingegen belegt die Tibia aus Ellenknochen eines Gänsegeiers (1. Jh. n. Chr.), die in der Nähe des Legionslagers von Noviomagus (Nijmegen) gefunden wurde, dass man sich auch spät noch vorgefundenen Materials zu bedienen wusste, wenn es notwendig war. Hier fehlen auffälligerweise die Daumenlöcher, von den je sechs Bohrungen wurden für das Spielen wohl je zwei verstopft. – Bei einer Tonschalmei aus dem bayerischen Pocking (1.-3. Jh n. Chr.) ist nicht gesichert, ob es sich um eine Tibia handelt, da das Mundstück fehlt.

    Beinerne Aulosfragmente vom 5. bis zum 3. Jh. v. Chr. aus den Beständen der Staatlichen Antikensammlung und Glyptothek München zeigen die Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion der Blasinstrumente. Die beinernen Rohrteile gehören wohl nicht zu ein und demselben Instrument, stellen aber Einzelteile eines Blasinstruments dar. Aufgrund der fragmentarisch vorliegenden Rohre fällt die sichere Identifikation als Aulos oder Flöte schwer. Die trapezförmigen Rohrstücke sind womöglich als hupholmion oder als holmos
    zu verstehen, Elemente die sich zwischen dem Rohr als Resonanzkörper und dem separaten Mundstück befinden.

    Florian Leitmeir

    Alumni Musikpate: Prof. Dr. Matthias Steinhart – Aulos aus Pergamon (Abguss)


    Wandtafel (PDF) zu durchschnittlichen Auloslängen.

    Wandtafel (PDF) zur Organologie des Aulos (Begriffe für die Instrumententeile).