Intern
Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie

Bandkeramische Siedlung Haßloch

Magnetometer-Prospektion in der bandkeramischen Siedlung von Haßloch

Am Ostrand von Haßloch (Lkr. Bad Dürkheim, Rheinland-Pfalz) befindet sich eine schon seit einiger Zeit durch Luftbilder bekannte bandkeramische Siedlung (Zeeb-Lanz 2003, 14f.). Bereits 2002 führte die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie Speyer eine erste Ausgrabung durch (Zeeb-Lanz/Fischer 2003; Zeeb-Lanz 2008, 323f.). Seit 2008 ist die Siedlung von Haßloch Gegenstand der Lehrgrabung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Heidelberg (in Zusammenarbeit mit der Direktion Landesarchäologie Speyer).

Bereits bei der Ausgrabung 2002 wurde deutlich, dass die Befunde unter dem Ackerhorizont durch eine homogen braune Bodenbildungsschicht überprägt und innerhalb dieses Horizonts optisch nahezu unsichtbar sind. Erst in einer tieferen, sandigen Schicht treten sie klarer zu Tage. Es stellte sich somit die Frage, ob durch andere Mittel, wie etwa magnetische Prospektion, die „unsichtbaren“ Befunde bereits in der höheren Schicht erfasst werden könnten. Mit dieser Fragestellung wurde im Rahmen der Heidelberger Lehrgrabung am 12. März 2008 vom Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Würzburg eine Magnetometer-Prospektion durchgeführt. Sie erstreckte sich auf eine Teilfläche im Süden des Grabungsareals, auf der bereits ein Planum in der Bodenbildungsschicht angelegt war und erwartungsgemäß kaum Befunde optisch erkannt werden konnten. Es wurde ein 20x20 m großer, Nord-Süd ausgerichteter Quadrant mit einer Messauflösung von 25 cm in Nord-Süd-Richtung und 12,5 cm in Ost-West-Richtung begangen. Die nicht zugänglichen Flächen sind in den geomagnetischen Plänen grau hinterlegt.

Ergebnisse der Prospektion

Die Fragestellung, ob die optisch „unsichtbaren“ Befunde in der Bodenbildungsschicht magnetisch erfasst werden können, ist positiv zu beantworten: ImMagnetogramm (Abb. 1 und Abb. 2) zeichnen sie sich deutlich als überwiegend positive Anomalien ab.
Die deutlichste der erkennbaren Strukturen ist eine langgestreckte, Nordwest-Südost verlaufende positive Anomalie (A1). Sie wurde auf einer Länge von ca. 15 m erfasst, ihre Breite beträgt ca. 1,5–2,5 m. Etwa 1–2 m südlich der Prospektionsgrenze könnten leichte Unterbrechungen eine Teilung der Anomalie in zwei Strukturen andeuten (A1a und A1b). Vergleichbar erscheinen zwei weitere größere Anomalien im Südwesten der Prospektionsfläche (A2 und A3).
Ebenfalls deutlich erkennbar sind eine Reihe kleinerer (ca. 0,5–1,5 m Durchmesser), rundlicher bis ovaler Anomalien (A6–A27, A30, A31).
Weiterhin sind in verschiedenen Bereichen linear verlaufende Strukturen zu beobachten. Am deutlichsten ist eine ca. 7–8 m lange und ca. 0,5–0,7 m breite, Nordwest-Südost verlaufende Struktur im südlichen bis südwestlichen Teil der Prospektionsfläche zu erkennen (A32). Vier bis fünf parallel hierzu ausgerichtete, allerdings weniger deutliche lineare Strukturen finden sich weiter im Norden (A33–A37). Orthogonal zu den bisher genannten verläuft eine weitere lineare Struktur im Nordteil der Prospektionsfläche (A38).

 

Interpretation der magnetischen Befunde und Strukturen (Abb. 3)

Die große, langgestreckte, Nordwest-Südost ausgerichtete Anomalie A1 ist im Kontext einer bandkeramischen Siedlung ohne Zweifel als hausbegleitender Längsgrubenkomplex zu interpretieren. Dies kann auch für die kleineren Befunde A2 und A3 zutreffen; da diese aber nur unvollständig erfasst sind, ist aber nicht auszuschließen, dass es sich um andere, nicht hausbegleitende Gruben handelt.
Die Nordwest-Südost (A33–A37) bzw. Südwest-Nordost (A38) verlaufenden linearen Strukturen sind als Wandgräbchen bandkeramischer Häuser zu interpretieren. Die drei Gräbchen A34, A35 und A38 bilden einen vollständigen Nordteil eines bandkeramischen Hauses. Ebenfalls als zusammengehörig können A32 und A34 erachtet werden. A36 ist wahrscheinlich einem weiteren Haus zuzuordnen, da die Ausrichtung des Gräbchens A36 von derjenigen von A32 und A34 leicht abweicht.
Die kleinen rundlichen bis ovalen Befunde können größtenteils als Pfosten gedeutet und teilweise Hausgrundrissen zugeordnet werden. Die auffälligste Pfostengruppe wird von A7–A9 gebildet – in ihr ist unschwer eine Querpfostenreihe eines bandkeramischen Hauses zu erkennen. Der geknickte Verlauf der Reihe spricht dafür, dass es sich um die Zentralpfostenstellung eines Hauses handelt. Die enge Gruppierung der Pfostenreihe A7–A9 und einiger weiterer Pfosten (A6, A10, A22) sowie das Nebeneinander einer mutmaßlichen Zentralpfostenstellung und eines zu einem Nordteil gehörenden Wandgräbchens (A32) spricht dafür, dass sich hier zwei Hausgrundrisse überlagern.

Rekonstruktion von Hausgrundrissen (Abb. 4–6)

Auf der Basis der oben unterbreiteten Befundinterpretation soll abschließend versucht werden, Hausgrundrisse zu rekonstruieren. Die Schlussfolgerungen behalten jedoch hypothetischen Charakter – die endgültige Interpretation kann nur in Zusammenschau mit den Grabungs- und Luftbildbefunden erfolgen.

Die Gräbchen A32 und A34 bilden sie Seitenflügel des Nordteils eines Hauses (Haus 1, Abb. 4). Sein Nordabschluss ist nicht eindeutig identifizierbar, scheint aber am ehesten im Bereich von A37 anzuschließen. Die nördlichste Querpfostenreihe innerhalb des Nordteils wäre im Bereich von A17 zu rekonstruieren, die nächste folgende Querreihe bei A15–A16. Eine weitere schließt bei A10 und A22 an; der südwestliche Pfosten dieser Reihe könnte durch den diffusen Ausläufer im Osten von A7 repräsentiert werden, womit alle drei Pfosten der Reihe erfasst wären. Die Reihe könnte gleichzeitig den Abschluss des Nordteils darstellen. Ebenfalls zu Haus 1 dürften A11 und A12 gehören, die eine weitere Pfostenquerreihe anzeigen. Haus 1 ist nach der vorgeschlagenen Rekonstruktion auf einer Länge von ca. 13 m in der Prospektionsfläche erfasst. Seine Breite beträgt ca. 7,2–7,4 m.

Nicht restlos zu klären ist die Zuordnung der hausbegleitenden Grube A1. Sie folgt der Nordostwand von Haus 1 im Abstand von ca. 1–2 m, was für eine Zuordnung zu diesem Gebäude spricht. Ihr nördlicher Bereich scheint aber über Haus 1 hinaus zu reichen; möglicherweise verbergen sich hinter A1 daher Teilgruben verschiedener Hauszugehörigkeit.

Die geknickte Zentralpfostenstellung A7–A9 lässt sich mit dem Wandgräbchen A36 zu einem Haus zusammenfügen (Haus 2, Abb. 5). Diesem Gebäude ist wahrscheinlich die Querreihe der Pfosten A19–A21 zuzurechnen. Auf den zu rekonstruierenden Längsfluchten liegen die Pfosten A23 und A24, die die Position zweier weiterer zu Haus 2 gehöriger Pfostenquerreihen zu markieren scheinen.
Haus 2 überschreitet im Norden die Grenzen der Prospektionsfläche; auch südlich der Zentralpfostenstellung sind mindestens zwei weitere Pfostenquerreihen zu rekonstruieren, so dass der Gebäudegrundriss auf einer Länge von mindestens 18 m diagonal durch die Prospektionsfläche verläuft. Wird die Südwestwand symmetrisch zu den erfassten Wand- und Pfostenfluchten rekonstruiert, beträgt die Breite wie bei Haus 1 ca. 7,2–7,4 m. Bei A4 und A5 könnte es sich um Reste hausbegleitender Gruben an der Südwestwand von Haus 2 handeln.

Der Nordabschluss von Haus 3 (Abb. 6) wird durch ein vollständig erfasstes Wandgräbchen (A33–A35) deutlich. Die Form des Nordteils scheint leicht trapezoid zu sein (Breite am Nordende ca. 6,1 m, am Südende dagegen ca. 6,8 m). Die Innenpfosten des Gebäudes sind kaum sichtbar. Einzig A14 kann mit großer Wahrscheinlichkeit Haus 3 zugeordnet und als Anhaltspunkt für den Verlauf einer Querreihe herangezogen werden. Eine durch den Mittelpunkt dieses Befundes gelegte Orthogonale auf die Längsachse des Hauses trifft außerdem eine rundliche Auswölbung von A1 (A1c), hinter der sich daher durchaus ein weiterer Pfosten verbergen kann. Bei A30 und A31 könnte es sich um Reste zu Haus 3 gehöriger hausbegleitender Gruben handeln; denkbar ist aber auch die Deutung als Pfosten einer weiteren, nördlich anschließenden Hausstruktur.

Text und Pläne: Thomas Link

Literatur:

Zeeb-Lanz 2003: A. Zeeb-Lanz, Zum Stand der Vorgeschichtsforschung in der Pfalz. Neolithikum, Bronzezeit, Eisenzeit. Arch. i. d. Pfalz 2001 (2003) 13–20.

Zeeb-Lanz 2008: A. Zeeb-Lanz, Lange Stagnation – Rasanter Aufschwung. Zur Entwicklung der Bandkeramik-Forschung in der Pfalz. In: F. Falkenstein/S. Schade-Lindig/A. Zeeb-Lanz (Hrsg.), Kumpf, Kalotte, Pfeilschaftglätter. Zwei Leben für die Archäologie. Gedenkschrift für Annemarie Häußer und Helmut Spatz. Internat. Arch. Stud. honoraria 27 (Rahden/Westf. 2008) 319–332.

Zeeb-Lanz/Fischer 2003: A. Zeeb-Lanz/B. Fischer, Linearbandkeramische Siedlung Haßloch, Kreis Bad Dürkheim. Erste bandkeramische Hausgrundrisse der Pfalz freigelegt. Arch. Rheinland-Pfalz 2002 (2003) 21–23.

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Joseph Maran
Dr. Roland Prien
Dr. Carsten Casselmann
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie
Marstallhof 4
69117 Heidelberg
Tel.: 06221 / 54-2540
joseph.maran(at)zaw.uni-heidelberg.de
Roland.Prien(at)zaw.uni-heidelberg.de
Carsten.Casselmann(at)zaw.uni-heidelberg.de

Dr. Andrea Zeeb-Lanz
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz
Direktion Landesarchäologie – Speyer
Kleine Pfaffengasse 10
67346 Speyer
Tel.: 06232 / 6757-45
zeeblanz(at)archaeologie-speyer.de

Ansprechpartner:

Dr. des. Thomas Link
Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie
Institut für Altertumswissenschaften
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Residenzplatz 2, Tor A
D-97070 Würzburg
Tel. 0931/31-82869
thomas.link(at)uni-wuerzburg.de