Intern
Sammlungen-Provenienz-Kulturelles Erbe

Externe Stimmen

"Missklänge aus dem Cellokasten" - Lisa Zeitz

Der jüngste Fälschungsskandal betrifft Museen wie Sammler und ist auch für die Provenienzforschung von großer Bedeutung.

"Kolloquium: Provenienz- und Sammlungsforschung" - Christian Fuhrmeister

Über das Zusammenspiel von Provenienzforschung und Kunstgeschichte und die notwendige Erweiterung eines Wahrnehmungshorizonts.

"Keine Ausbildung für das Museum ohne die Provenienzforschung" - Susanne Müller-Bechtel

Spätestens seit dem "Fall Gurlitt" wollen immer mehr Museen und Archive wissen, ob Kulturgüter unrechtmäßig in ihren Besitz gelangt sind – und schaffen Stellen in der Provenienzforschung.

Ermittlungen im Auftrag der Kunst - Jonas Kühlberg, NDR

"Während sich der gemeine Kunstliebhaber an der Vorderseite eines Gemäldes erfreut, geht der Blick von Provenienzforschern wie Petra Winter erst einmal in eine andere Richtung. Sie interessieren sich vor allem für die Rückseite."

Zum Umgang mit "Raubkunst" aus NS-Zeit: Stadtrat trifft Grundsatzentscheidung

73 Jahre nach Kriegende und dem Niedergang des NS-Regimes beschäftigt die Stadt Würzburg der angemessene Umgang mit Kulturgütern aus dieser Zeit.

 

Stimme: PD Dr. Christian Fuhrmeister

Im Rahmen des Kolloquiums „Provenienz- und Sammlungsforschung IX“ am 5. April 2017 im Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München (http://www.zikg.eu/veranstaltungen/2017/kolloquium-provenienz-und-sammlungsforschung-ix-1), das sich dem verschwundenen Bild „Der Turm der blauen Pferde“ (1913) von Franz Marc und der Rezeption „entarteter“ Kunst nach 1945 widmete, thematisierte Christian Fuhrmeister in der Einführung auch das Verhältnis von Kunstgeschichte und Provenienzforschung:

„[…] Wir müssen daher einen dialektischen Prozess konstatieren, eine strukturelle Ambivalenz und Janusgesichtigkeit der Rede über Kunst in Deutschland im 20. Jahrhundert. Deshalb ist gerade das neunte Kolloquium, das wir gemeinsam mit Michael Hering und Katja Blomberg entwickelt haben, besonders gut geeignet, um ein doppeltes Missverständnis auszuräumen. Ich meine zunächst die falsche Annahme, dass die Beschäftigung mit Verlagerungen, „Sicherstellungen“ und Bergungen von Kulturgut, mit Verkauf, Beschlagnahme und Tausch von Kunstwerken, oder auch mit Fluchtgut, nichts mehr und nichts weniger als ein „Positivismus“ sei, wie kürzlich geäußert wurde, eine „kleinteilige Klärung von Fachfragen“. Diese Engführung wurde noch verschärft durch die Unterstellung, es ginge ausschließlich oder vor allem um die Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Gestatten Sie mir zwei kurze Entgegnungen. Die empirische Evidenz von Daten und Fakten wird auch und gerade in der Kunstgeschichte ihre Relevanz behalten – müssen. Mythen und Legenden bedürfen der ebenso ergebnisoffenen wie quellenkritischen Befragung. Die Klärung von Sachverhalten ist keine niedere, sondern vornehmste Aufgabe der Grundlagenforschung.

Und die angebliche Beschränkung auf die Zeit des Nationalsozialismus ist heute so unzutreffend wie vor acht Jahren. So macht etwa http://heinemann.gnm.de – ein aus Steuergeldern und Eigenmitteln finanziertes Projekt (http://www.zikg.eu/projekte/projekte-zi/galerie-heinemann) – die Daten eines Unternehmens zugänglich, dessen Existenz die fast vier Jahrzehnte des Kaiserreichs und auch die fast anderthalb Jahrzehnte der Weimarer Republik komplett umfasst, indes nur einen geringen Teil des NS, eben bis zur Arisierung der Firma durch Friedrich Heinrich Zinckgraf im Gefolge der Pogrome im November 1938. Ohne dieses Infrastrukturprojekt wären beispielsweise Werkverzeichnisse wesentlich fehlerhafter, würden Studien zur Unternehmens- wie zur Geschmacksgeschichte auf validierte Daten verzichten müssen, etc.

Es bleibt dabei: Ungeachtet der in jeder Hinsicht berechtigten und notwendigen Konzentration auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter hat sich längst die Überzeugung durchgesetzt, dass die Dimensionen von Herkunft und Translokation eine nicht nur wünschenswerte, sondern unabdingbare Erweiterung des viel zu lange viel zu eng definierten Wahrnehmungshorizontes der akademischen Disziplin Kunstgeschichte mit sich bringen.

Vor diesem Hintergrund ist die neue Relevanz der schriftlichen wie visuellen Quellen kein antiquarischer Rückblick mit begrenztem Impact, sondern ein struktureller Aufbruch: Eben aufgrund der Analyse der Vergangenheitspolitiken in ihrer Interdependenz mit Kanonbildung und Kunstgeschichtsschreibung werden die Gegenstände unseres Faches neu, heller und schärfer profiliert und zugleich bislang wenig beachtete Dimensionen und Merkmale ins Bewusstsein gehoben. […]“