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    Philosophische Fakultät

    Afrika: Wiege der Menschheit, Heimat alter Kulturen

    02.07.2018

    Karthago, die Punier, Ausgrabungen in Djerba und die Sahara: Afrikas Norden steht im Zentrum der Ringvorlesung des Würzburger Altertumswissenschaftlichen Zentrums im Sommersemester 2018.

    Hitze, Dürre, endlose Sanddünen: Sie bestimmten das Bild, das sich viele Menschen von Afrika machen. Tatsächlich ist diese Region jedoch deutlich vielfältiger, wie ein Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung zeigen wird.

    Mehr denn je ist der „schwarze Kontinent“ heute in die Wahrnehmung Europas gerückt; vor allem seitdem die lebensgefährlichen Migrationsströme überwiegend junger Afrikaner, die in ihren Heimatländern keine Zukunftsperspektive haben, über das Mittelmeer drängen und anhaltend für bedrückende Nachrichten und Bilder in den Medien sorgen, ohne dass sich seitens der Politik befriedigende Lösungen abzeichneten. Auf der anderen Seite genießen der Tourismus nach Afrika und das Anreichern der eigenen Wohnkultur mit exotisch aussehenden Bildern und Figuren aus der „wilden“ Natur rund um den Äquator hohe Konjunktur.

    Kulturkontakte über das Mittelmeer

    In diesem Semester möchten die Organisatoren der Ringvorlesung des Würzburger Altertumswissenschaftlichen Zentrums (WAZ) das Bewusstsein dafür schärfen, wie weit die Kulturkontakte der Mittelmeerregion über das „Wüstenmeer“ der Sahara in die Vergangenheit zurückreichen und wie vielfältig die Kulturen ihrerseits sind, die sich im Verlauf der Antike im Norden des Kontinents angesiedelt haben. Migration aus Versorgungsengpässen und anderen ökonomische Beweggründen spielte schon damals eine große Rolle und fand demnach einst auch in der Gegenrichtung statt.

    Unser Bild von Afrika wird vor allem von Assoziationen großer Hitze und beständig drohender Dürreperioden geprägt. Dazu trägt das Klischee der Sahara von einer homogenen Landschaft endloser Sanddünen nicht unwesentlich bei. Tatsächlich ist diese Region jedoch deutlich vielfältiger und in ihrer Gesamtentwicklung dynamischer als weitläufig angenommen. Ein an der Universität Würzburg angesiedeltes Forschungsprojekt, das sich der geologischen Analyse der Bodenreliefs im Zentrum der Sahara widmet, lässt nachvollziehen, in welchen Etappen sich ihre klimatischen Verhältnisse im Verlauf der letzten 10.000 Jahre grundlegend verändert haben.

    Pharaonen, Phönizier und die Punier

    Zu den frühesten Hochkulturen unserer Welt zählt das Alte Ägypten, dessen Entstehen und Blüte untrennbar mit dem 7.000 Kilometer langen Nilstrom und der effizienten Bewirtschaftung seiner regelmäßigen Überschwemmungen zusammenhängt. Macht und Reichtum der Pharaonen lagen aber nicht zuletzt darin begründet, dass ihr Blick nicht nur auf die Nachbarn am Rand des Mittelmeers gerichtet war, sondern ebenso auf die afrikanischen Kulturen im Süden, obgleich die Kommunikationswege dorthin trotz der Flussverbindung beschwerlich waren.

    Nutznießer der fruchtbaren Küstenregionen weiter westlich war über viele Jahrhunderte die aus der Levante stammende Seemacht der Phönizier, die ihr Handelsnetz über die gesamte südliche Mittelmeerregion ausgespannt hatten. Im Norden Afrikas ist aus ihr die punische Kultur hervorgegangen, die zunächst mit den griechischen Kolonien, vor allem auf Sizilien konkurrierte, später jedoch mit Rom in einen erbitterten und lang andauernden Streit um die Vormachtstellung im Mittelmeer verfiel. Die bislang wenig beachteten Ausgrabungen punischer Städte künden von hohen zivilisatorischen Errungenschaften und Standards nicht nur im Hinblick auf Architektur und Technik, sondern auch auf Schrift, Sprache und Religion.

    Karthago und das antike Meninx

    Bekanntlich machten die Römer Karthago, Hauptstadt der punischen Königsherrschaft, 146 v. Chr. dem Erdboden gleich. Weniger bekannt ist hingegen, dass sie die Stadt unter eigener Flagge in der Kaiserzeit neu aufbauten und zu einer der bedeutendsten Metropolen nicht nur Nordafrikas, sondern des gesamten römischen Reiches wiedererstehen ließen. Ökonomische Gründe – vor allem die Versorgung Roms mit Getreide – spielten dabei gewiss eine wichtige Rolle, aber nicht nur. Von hier gingen nicht zuletzt wichtige Impulse zur Etablierung des Christentums aus, das schließlich zur neuen Staatsreligion avancierte.

    In vielerlei Hinsicht ist die römische Besiedlung Nordafrikas aber immer noch terra incognita. Ein neues an der Ludwig-Maximilians-Universität München angesiedeltes Ausgrabungsprojekt auf der tunesischen Urlaubsinsel Djerba profitiert davon, dass das antike Meninx von moderner Bebauung verschont geblieben ist und sich seine Grundmauern in einer Tiefe von kaum einem halben Meter gut erhalten haben. Dank ausgefeilter Prospektionsmethoden lässt sich hier in kurzer Zeit ein ganzes antikes Stadtbild samt ausgedehnter Hafenanlagen wiedergewinnen.

    Vorträge und Termine

    • 23. April: „Punici ante portas. Eine afrikanische Ouvertüre. Auf Spurensuche der Punier und der Entstehung einer Begrifflichkeit“ (Prof. Dr. Robert Martin Kerr, Uni Saarbrücken)

    • 7. Mai: „Sahara - 10.000 Jahre zwischen Weide und Wüste“
      (Prof. Dr. Roland Baumhauer ,JMU Würzburg)

    • 28. Mai: „Karthago in der Kaiserzeit. Zentrum der Römer und Christen in Nordafrika“
      (Dr. Maria Osmers, JMU Würzburg)

    • 11. Juni: „Neues zur Stadtgeschichte von Meninx (Djerba). Die Ergebnisse der Grabungskampagne 2017“ (Prof. Dr. Stefan Ritter, LMU München)

    • 2. Juli: „Altägyptische Karawanen nach Innerafrika: Transsahara-Verkehr mit Eseln in pharaonischer Zeit“ (Dr. Frank Förster, Uni Bonn)

    Die Vorträge finden jeweils montags im Toscanasaal der Residenz statt, Beginn ist um 18:15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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