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Lehrstuhl für klassische Archäologie

Alexander

Aufbewahrungsort: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Klassische Archäologie

Herkunft: Abguss erworben von Bertolin aus München 2024

Maße: Gesamthöhe des Kopfes ohne Sockel 35,5 cm; Sockelhöhe 8,1 cm

Es handelt sich bei diesem Abguss um ein etwas überlebensgroßes Porträt eines jungen, bartlosen Mannes mit aufgeworfenem Haar, den sog. Alexander Schwarzenberg (Arachne-ID 1093563). Weitere Reproduktionen befinden sich in Saarbrücken (Arachne-ID 1219628), Bonn (Arachne-ID 1218971) und Berlin (Arachne-ID 1226052). Das Porträt ist nach dem ehemaligen Besitzer Erkinger von Schwarzenberg benannt, der den Kopf, der angeblich aus Tivoli stammen soll, 1962 aus dem Kunsthandel erwarb. Heute befindet er sich in der Glyptothek in München (Heinemann 1995, 309).

Das Original besteht aus feinkörnigem, weißem Marmor. Im Gesicht sind die Nase und die obere Spitze des rechten Ohrs abgebrochen. Zudem gibt es mehrere Bestoßungen an der rechten Seite des Gesichts und im Haar. Die Locken am Hinterkopf sind hingegen gut erhalten. Die Bearbeitungsspuren an der Unterseite des Kopfes weisen darauf hin, dass es sich um einen Einsatzkopf, möglicherweise von einer Panzerstatue, handelt. Einige Details im Gesicht und an den Haaren lassen sich auf Grund von Luftbläschen im Abguss nicht eindeutig erkennen.

Der Kopf des jungen, bartlosen Mannes blickt leicht nach oben und ist nach links gedreht, was besonders durch die Halsmuskulatur unterstrichen wird. Durch diese Drehung wirkt der Kopf von vorne betrachtet asymmetrisch. Das Gesicht ist ellipsenförmig, mit schmalem Kinn und hohen, ausgeprägten Wangenknochen. Es weist subtile Senken im Stirnbereich, Wangenbereich und an den Nasolabialfalten auf. Die kleinen Augen liegen tief und werden durch die markanten Brauenbögen stark verschattet. Ebenso wie die Augen, ist auch der geschlossene Mund schmal und klein. Die Gesichtsorgane sind eng zusammengerückt und konzentrieren sich in der Mitte des Gesichts, wodurch die Stirn unnatürlich hoch ist. Die Haarkappe zeichnet sich durch dynamische Bewegungen und ein großes Eigenvolumen aus. Das Haar ist über der Stirnmitte aufgeworfen und fällt vom Scheitel aus zu beiden Seiten in Locken herab. Diese Haargestaltung, die für Alexanderbildnisse typisch ist, wird Anastolé genannt. Die Strähnen, die sich vom Scheitel in diagonalen Wellen nach hinten unten bewegen, sind als einzelne Volumina plastisch herausgearbeitet und durch Ritzungen unterteilt. Allein im Nackenbereich bleiben die Locken unvollständig.

In der Archäologischen Forschung werden die Alexanderbildnisse in vier Typen unterteilt: Erbach/Akropolis (Arachne-ID 1242001), Dresden (Arachne-ID 1242002), Azara (Arachne-ID 1242004) und Schwarzenberg (Arachne-ID 1242557). Die Herme Azara (Arachne-ID 1074731) kann durch ihre Inschrift AΛEΞANΔPOΣ ΦIΛIΠΠOY MAKEΔ (Alexander, Sohn des Philipp, der Makedone) sicher identifiziert werden (Vorster 2004, 412). Der Typus Erbach/Akropolis ist wie der Typus Schwarzenberg ein Jugendbildnis. Unterschiede zwischen diesen beiden Typen lassen sich in der Frisur, aber auch in der Haltung finden: So sind die Locken beim Typus Erbach/Akropolis länger, die Anastolé liegt über der rechten Stirnhälfte und der Kopf ist nicht nach links gewendet (Kovacs 2022, 96 f.). Verbindende Merkmale beider Typen sind die Anastolé und die löwenhafte Mähne, die Alexander als kraftvolle Persönlichkeit charakterisieren, die Stärke eines Löwen evozieren und eine Verbindung zu Herakles herstellen. Die Bartlosigkeit bricht mit gleichzeitigen Bildnissen von Politikern dieser Zeit: Die Alexanderbildnisse zeigen demnach einen jungen Herrscher, dessen Darstellung einen großen Einfluss auf folgende Herrscherbildnisse haben sollte (Vorster 2004, 409–412).

Das griechische Original, auf das der Kopf Schwarzenberg – eine römische Kopie – zurückgeht, wurde zu Lebzeiten Alexanders oder kurz nach seinem Tod angefertigt (von den Hoff 2014, 220 f.). Laut Erkinger von Schwarzenberg soll es sich dabei um eine Statue des Alexander mit Lanze aus der Hand des berühmten Bildhauers Lysipp gehandelt haben. Diese Annahme stützt er auf die Beschreibungen der Kopfwendung nach links oben, die bei Plutarch überliefert ist (Schwarzenberg 1967, 70–92). Diese Deutung ist jedoch umstritten und wird in der neueren Forschung angezweifelt (Kovacs 2022, 95–118). Auch die Datierung des Kopfes ist umstritten: So wurden Bohrungen im Nackenhaar als Hinweis auf eine Herstellung zur Zeit Hadrians angesehen (Jucker 1993). Martin Kovacs sprach sich dagegen zuletzt für eine frühkaiserzeitliche Datierung aus (Kovacs 2022, 95). Olga Palagia zweifelte sogar an, dass es sich wirklich um ein antikes Werk handelt (Palagia 2020, 615 f.).

[Gina Stark]

Literatur

  • A. Heinemann, Porträtkopf Alexanders des Großen, in: K. Stemmer (Hrsg.), Standorte. Kontext und Funktion antiker Skulptur (Ausstellungskatalog Berlin 1995) 309 f. Nr. C10.
  • N. Himmelmann, Herrscher und Athlet. Die Bronzen vom Quirinal (Ausstellungskatalog Bonn 1989) 92–94. 99 f.
  • T. Hölscher, Ideal und Wirklichkeit in den Bildnissen Alexanders des Großen (Heidelberg 1971) 10. 30 f. 34. 54–56.
  • I. Jucker, Ein Bildnis Alexanders des Grossen (München 1993).
  • M. Kovacs, Vom Herrscher zum Heros. Die Bildnisse Alexanders des Großen und die "Imitatio Alexandri", Tübinger archäologische Forschungen 34 (Rahden/Westf. 2022) 95–118.
  • O. Palagia, The Case of the Schwarzenberg Alexander, in: A. Delivorrias u. a. (Hrsg.), Σπονδή. Αφιέρωμα στη μνήμη του Γιώργου Δεσπίνη (Athen 2020) 611–618.
  • C. Rolley, La sculpture grecque II. La period classique (Paris 1999) 355 Abb. 368.
  • E. Schwarzenberg, Der lysippische Alexander, BJb 167, 1967, 58–118. 
  • A. Stewart, Faces of Power. Alexander‘s Image and Hellenistic Politics, Hellenistic Culture and Society 11 (Berkeley, u. a. 1993) 165–171. 429 Abb. 40 f.
  • R. von den Hoff, Neues im ‚Alexanderland‘. Ein frühhellenistisches Bildnis Alexanders des Großen, GFA 17, 2014, 209–245.
  • R. von den Hoff, Alexanderporträts und Bildnisse frühhellenistischer Herrscher, in: S. Hansen – A. Wieczorek – M. Tellenbach (Hrsg.), Alexander der Grosse und die Öffnung der Welt (Ausstellungskatalog Mannheim 2009) 47–53.
  • C. Vorster, Die Bildnisse Alexanders des Grossen, in: P. C. Bol (Hrsg.), Die Geschichte der antiken Bildhauerkunst. II Klassische Plastik (Main 2004) S. 409–412.

 

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