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Lehrstuhl für klassische Archäologie

Trajan

Aufbewahrungsort: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Klassische Archäologie, Zimmer 1.18

Herkunft: Erwerb 2016/17 (S. Bertolin)
 
Maße: H gesamt ca. 70 cm; H Kopf (mit Kranz) ca. 26 cm

Der Würzburger Abguss reproduziert eine Porträtbüste aus Marmor, die aus dem Palazzo Bevilacqua in Verona stammt. Sie wurde 1810/11 in Italien für die Münchener Glyptothek (Inv. 355) durch Ludwig I. angekauft, wobei die berühmten Bildhauer Antonio Canova und Bertel Thorvaldsen, womöglich auch der Kunstagent Martin von Wagner, als Sachverständige dienten. Der genaue Fundort der Büste ist unbekannt. In verschiedenen deutschen Sammlungen, beispielsweise in Bonn (Arachne-ID 1218269) oder Berlin (Arachne-ID 1226537), befinden sich weitere Abgüsse des Objekts.

Dieses ist bis auf einen Bruch, der auch am Abguss zu erkennen ist, sehr gut erhalten. Er zieht sich unterhalb des Halses bis zum rechten Rand der Schulter. Die Nasenspitze wurde ergänzt, Ohren, Kranz und das Attribut über der linken Schulter sind bestoßen. Ein Riss, der sich allerdings nur am Abguss erkennen lässt, befindet sich unterhalb des linken Auges.

Der entschieden nach links gewandte Kopf zeigt das Porträt eines Mannes. Seine Frisur ist auffallend schlicht gehalten, die glatten Strähnen hängen in kurzen Sicheln ins Gesicht und vor den frei gelassenen Ohren herab, rahmen die Stirn somit kranzförmig ein. Die bildhauerische Gestaltung der Haare sowie des Inkarnates ist hart und trocken. Auf der Kalotte sind die Haare sternförmig geordnet, hinten reichen sie bis in den Nacken. Ein Kranz aus Eichenlaub, der über der Stirnmitte ein ovales Medaillon aufweist, legt sich um den Kopf. Auf der Rückseite ist das Band, das den Kranz zusammenhält, geknotet. Die beiden Enden dieser Tänie fallen geschwungen in den Nacken und liegen gekräuselt auf den Schultern auf. Zur Aus- und Hinterarbeitung der Blätter und des Bandes wurde der Bohrer verwendet, darüber hinaus sind dessen Spuren nicht mehr zu beobachten. Die Züge des bartlosen Gesichts mit der langen Nase und den schmalen Lippen wirken markant und angespannt: Zu diesem Eindruck tragen insbesondere die Kontraktion an der Nasenwurzel, die hervortretenden Wangenknochen und die ausgeprägten Nasolabialfalten bei. Der Büstenausschnitt zeigt einen kräftigen Oberkörper, der bis auf ein Schwertband und ein Attribut auf der linken Schulter unbekleidet ist. Ersteres reicht von der rechten Schulter bis zum unteren Abschluss der Büste. Letzteres setzt sich aus einem Gewandstück zusammen, das nach Art eines Tuches in der Mitte einen großen Faltenrücken und zwei flankierende Faltentäler zu dessen Seiten bildet. Die aufgeworfenen seitlichen Ränder enden jedoch in mehreren symmetrisch angeordneten Schlangen, zwischen denen ein geflügelter Frauenkopf mit strähnigem Haar sitzt. Es handelt sich offensichtlich um die Ägis mit dem Medusenhaupt, die eigentlich als Attribut des Jupiter gilt.

Die pathognomischen Merkmale und die stark kontrahierten Gesichtszüge erinnern stark an republikanische Porträts (vgl. Arachne-ID 7461324), sind aber auch für Soldatengesichter typisch (Gross 1940). Durch den Vergleich mit Münzbildern, z. B. mit der nahe verwandten Darstellung auf einem Aureus im Berliner Münzkabinett (https://id.smb.museum/object/2353459/traianus; dazu allgemein B. Woytek, Die Reichsprägung des Kaisers Traianus [98-117], MIR 14 [Wien 2010]), lässt sich das Porträt jedoch mit dem Kaiser Trajan verbinden (98–117 n. Chr.).

Was diese Porträtbüste auszeichnet, ist die Kombination der drei bereits beschriebenen Attribute. Die corona civica, die ursprünglich als militärische Ehrung für die Rettung eines römischen Bürgers verliehen wurde, ist seit Augustus auf die Rettung aller Bürger ausgeweitet worden (dazu allgemein B. Bergmann, Der Kranz des Kaisers. Genese und Bedeutung einer römischen Insignie, Image & Context 6 (Berlin 2010) 135-202). Die Ägis, die ein Attribut des Göttervaters ist, rückt den Kaiser in dessen Nähe. Das Schwertband verweist auf die militärischen Tugenden des Kaisers und unterstreicht dessen kriegerische virtus. In der Summe wird Trajan damit als nahezu gottähnlicher Beschützer des römischen Bürgertums charakterisiert. Damit spiegeln sich in dieser Darstellung die unterschiedliche Leistungen des Kaisers (Seelentag 2004), der als der letzte große Eroberer unter den römischen Herrschern gilt.

[Lena Heindl]

Literatur

  • P. Arndt – F. Bruckmann (Hrsg.), Griechische und römische Porträts (München 1891-1942) Nr. 740.
  • J.J. Bernoulli, Römische Ikonographie II (Stuttgart 1891) 76.
  • F. Fless – K. Moede – K. Stemmer (Hrsg.), Schau mir in die Augen ... Das antike Porträt. Ausstellungskatalog Berlin (Berlin 2006) 96-130.
  • A. Furtwängler – P. Wolters, Beschreibung der Glyptothek König Ludwig’s I. zu München ²(München 1910) 352 f. Kat.Nr. 335.
  • W. H. Gross, Bildnisse Traians, Das römische Herrscherbild II (Berlin 1940) 112 f.
  • D. Ohly, Glyptothek München. Griechische und römische Skulpturen 4(München 1977) 76. 85.
  • F. Knauß – C. Gliwitzky (Hrsg.), Charakterköpfe. Griechen und Römer im Porträt (München 2017).
  • K. Stemmer (Hrsg.), Kaiser Marc Aurel und seine Zeit, Das römische Reich im Umbruch, Ausstellungskatalog Berlin (Berlin 1988) Abb. A2.
  • G. Seelentag, Taten und Tugenden Traians, Herrschaftsdarstellung im Principat (Stuttgart 2004) 13-17.
  • R. Wünsche, Glyptothek München. Meisterwerke griechischer und römischer Skulptur (München 2005).

 

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