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Lehrstuhl für klassische Archäologie

Titus

Aufbewahrungsort: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Klassische Archäologie, Zimmer 1.18
 
Herkunft: Abguss-Sammlung der Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Leihgabe des Martin von Wagner Museums (seit 2022)
 
Maße: H gesamt ca. 45 cm; H Kopf ca. 25 cm

Der Einsatzkopf aus Gips ist die Reproduktion eines Kopfes aus grobkörnigem Marmor. Materialuntersuchungen ergaben, dass es sich dabei um parischen Marmor handelt (Zöldföldi 2015, 775). Der Kopf wurde am 24.09.2003 auf Pantelleria gefunden und wird im dortigen Museo Archeologico aufbewahrt (grundlegend: Schäfer 2004, 18–23 Abb. 6–12; Schäfer 2015, 717–721 Kat. 1 Abb. 1a–f).

Das Original ist fast vollständig erhalten. Es liegen nur leichte Beschädigungen an der Augenbraue, am rechten Ohr und an den Lippen vor. Der Einsatzzapfen, der auf eine Verwendung in einem Statuenkörper hinweist, ist nur grob behauen und an der Unterseite schräg abgebrochen. Farbspuren konnten nicht nachgewiesen werden (Brinkmann 2015 765).

Der Kopf ist leicht nach rechts gedreht, da zum einen die Muskulatur auf der linken Seite des Halses angespannt wirkt und zum anderen die Mitte des Gesichts nicht direkt über dem Adamsapfel liegt. Die Form des Schädels ist massig, das Gesicht füllig. Über der hohen Stirn befinden sich sichelförmige Locken, die dort ebenso wie auf den Seiten nach hinten gekämmt sind. Während die Locken in der Frontalansicht kleinteilig ausgearbeitet sind, ist der Ausarbeitungsgrad der wellenförmig verlaufenden Haarpartien am Hinterkopf und an den Seiten deutlich geringer. Tief ins Inkarnat eingetragene, asymmetrische Stirnfalten liegen über den mit kleinen Strichen ausgearbeiteten Brauen, die leicht nach oben gezogen sind und damit die Kontraktion der Stirn erst begründen. Kleine Augen mit voluminösen Unterlidern und halbkreisförmigen Oberlidern bestimmen die Augenpartie. Die leicht gebogene Nase mit einem deutlich sichtbaren Höcker ist breit und fleischig. Tiefe Nasolabialfalten betonen dies. Dagegen ist der geschlossene Mund schmallippig und sitzt über dem rundlich hervortretenden Kinn. Der Hals ist leicht verfettet, das Doppelkinn unverkennbar.

Diese individuellen Merkmale kennzeichnen die Darstellung als Porträt des Kaisers Titus. Sichelförmige anstelle gekräuselter Locken wurden von Klaus Fittschen (Katalog der antiken Skulpturen in Schloß Erbach. Antike Forschungen 3 [1977] 63–67) als Merkmal des zweiten Bildnistypus des Titus definiert. Der in Pantelleria gefundene Kopf ist demnach wie eine Panzerbüste des Titus in Schloss Erbach (Arachne-ID 1115205) oder ein Porträt des Titus im vatikanischen Museo Chiaramonti (Arachne-ID 1079885) diesem Typus zuzuordnen.

Der Einsatzkopf wurde auf der Akropolis von Pantelleria in der Zisterne 797, unweit einer weiteren Zisterne gefunden, in der Einsatzköpfe von Julius Caesar (Arachne-ID 7461324) und eines weiblichen Mitglieds der julisch-claudischen Familie entdeckt wurden (Schäfer 2015, 717; 752–756 Abb. 83. 85. 86). Möglicherweise war ein Erdbeben der Grund für die Beschädigung der Statuen und die vom Ausgräber vermutete „intentionelle Deponierung“ (Schäfer 2015, 256) des Tituskopfes sowie der beiden anderen Porträtköpfen in den Zisternen. Massimo Osanna erwägt hingegen eine sakrale Bestattung (Osanna 2004, 51). Es wird vermutet, dass der Tituskopf und die beiden anderen Köpfe Teil einer Galerie von Mitgliedern des römischen Kaiserhauses waren (Schäfer 2015, 756 f.). Das Porträt des Titus würde dann belegen, dass jene frühkaiserzeitliche Sammlung noch in flavischer Zeit ergänzt wurde.

[Walter Wolpert]

Literatur

  • T. Schäfer, Drei Portraits aus Pantelleria. Caesar, Antonia Minor und Titus, in: R. M. Weiss – T. Schäfer – M. Osanna (Hrsg.), Caesar ist in der Stadt. Die neuentdeckten Marmorbildnisse aus Pantelleria (Ausstellungskatalog Helms-Museum Hamburg 2004) 31-38 Abb. 20-26.
  • M. Osanna, Die Fundumstände der Köpfe von Pantelleria und ihre Deutung in einem sakralen Kontext, in: R. M. Weiss – T. Schäfer – M. Osanna (Hrsg.), Caesar ist in der Stadt. Die neuentdeckten Marmorbildnisse aus Pantelleria (Ausstellungskatalog Helms-Museum Hamburg 2004) 48-50.
  • V. Brinkmann, Die blauen Augen Caesars, in: T. Schäfer – K. Schmidt – M. Osanna (Hrsg.), Cossyra 1,2. Die Ergebnisse der Ausgrabungen auf der Akropolis von Pantelleria, S. Teresa. Der Sakralbereich, Tübinger archäologische Forschungen 10 (Rahden/Westf. 2015) 765-768.
  • T. Schäfer, Plastik aus Marmor, in: T. Schäfer – K. Schmidt – M. Osanna (Hrsg.), Cossyra 1,2. Die Ergebnisse der Ausgrabungen auf der Akropolis von Pantelleria, S. Teresa. Der Sakralbereich, Tübinger archäologische Forschungen 10 (Rahden/Westf. 2015) 727-730 Kat. 4 Abb. 4a–f; 752– 757 Abb. 83.87.
  • J. Zöldföldi, Anhang: Archäometrische Untersuchungen zur Herkunftsbestimmung der Rohmaterialien von Marmorfunden aus Pantelleria, in: T. Schäfer – K. Schmidt – M. Osanna (Hrsg.), Cossyra 1,2. Die Ergebnisse der Ausgrabungen auf der Akropolis von Pantelleria, S. Teresa. Der Sakralbereich, Tübinger archäologische Forschungen 10 (Rahden/Westf. 2015) 769-776.

 

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