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European Ethnology

Soldatenfriedhöfe

Besonderer Orte des Gedenkens am Beispiel des Uettinger Friedhofs

Was sind Soldatenfriedhöfe? Die Erklärung steckt schon im Namen, oder? Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn verwandte Begriffe wie Ehrenfriedhöfe, Kriegerfriedhöfe, Denkmäler der Gefallenen oder auch Kriegsgräberstätten scheinen alle dasselbe zu meinen, definieren aber unterschiedliche Umstände. Auf Soldatenfriedhöfen ruhen ausschließlich die gefallenen Soldaten eines Krieges (Schoenfeld 2005: 95f.). Im Deutsch-Deutschen Krieg und dem Mainfeldzuges des Jahres 1866 kam es zu einer Schlacht am 25. und 26. Juli bei Uettingen zwischen preußischen und bayerischen Truppen. Wegen sommerlichen Temperaturen und Seuchengefahr mussten die Gefallenen schnellstmöglich bestattet werden. Der beengte Friedhof im Nordwesten Uettingens wurde erweitert (Archäologisches Spessart-Projekt 2001-2003) und somit der Soldatenfriedhof zu einem Bestandteil des Gemeindefriedhofs. Insgesamt stieg die Zahl der Gefallenen auf über 300 Opfer, was den Friedhof zum größten Soldatenfriedhof des 1866er Krieges in Deutschland machte (Archäologisches Spessart-Projekt 2001-2003).

 Aufgrund der 100jährigen Gedenkfeier wurden nicht nur die Holzkreuze auf den Massengräbern mit Kreuzen aus rotem Buntsandstein mit der Gravur „1866“ ersetzt, sondern der gesamte Friedhof wurde neugestaltet (Archäologisches Spessart-Projekt 2001-2003). Somit besteht gut ein Viertel der Gesamtfläche aus dem Soldatenfriedhof. Anlegung, Instandsetzung und Pflege wird durch Bund und Länder gewährleistet, während Soldatenfriedhöfe unbefristetem Ruherecht unterliegen (BGBl. I 1952: 320). In Uettingen erinnert sich aber nicht nur die Verwaltung des Friedhofs an die Soldatengräber, sondern auch die Bewohner*innen der Gemeinde. So fand anlässlich der Gedenkfeier zum 150. Jahrestages eine Zeremonie mit festlich gekleideten Teilnehmer*innen statt und mehrere Reenactment- Gruppen stellten die Schlacht an ihrem ursprünglichen Austragungsort nach. (Archäologisches Spessart-Projekt 2001-2003). Es geht darum, dass die Geschichte der Gemeinde und somit der Soldatenfriedhof von Uettingen weiterhin fest in den Erinnerungen der Bewohner*innen verankert ist. Aber nicht als Ort des „Heldengedenkens“, sondern als ein Ort des Friedens und des Gedenkens an die Opfer jener Schlacht. Mithilfe des Archäologischen Spessart Projekts kann seither die Kulturlandschaft rund um Uettingen aufgrund der Errichtung des Kulturweges „Signalhorn-Posthorn-Jagdhorn“ nicht nur an die Bewohner*innen, sondern auch an die Besucher*innen vermittelt werden.

Archäologisches Spessart-Projekt: Texttafel am Eingang des Friedhofs in Uettingen im Rahmen des Projektes „Pathwaxs to Cultural Landscapes“ in 2001-2003. Siehe auch online unter: https://www.spessartprojekt.de/spessartprojekt/ [zuletzt aufgerufen am: 11.10.2022].

Bundesanzeiger Verlag: Bundesgesetzblatt zum Gesetz über die Sorge für die Kriegsgräber 1952. S. 320. Siehe online unter: https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl152s0320.pdf#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl152s0320.pdf%27%5D__1665414893859 [zuletzt aufgerufen am 11.10.2022].

Bundesministerium der Justiz: Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz) §2 Ruherecht und §5 Feststellung und Erhaltung von Gräbern. Siehe online unter: https://www.gesetze-im-internet.de/gr_bg/__2.html und https://www.gesetze-im-internet.de/gr_bg/__5.html [zuletzt aufgerufen am 11.10.2022].

Friedensvertrag von Versailles. Artikel 214 bis 226. Kriegsgefangene und Grabstätten (28. Juni 1919), in: documentArchiv.de (Hrsg.): Siehe online unter:  http://www.documentArchiv.de/wr/vv06.html [zuletzt aufgerufen am 11.10.2022]. 

Schoenfeld, Helmut: Soldatenfriedhöfe. Ihre Entwicklung und ihr Einfluß auf die Friedhofsreform des 20. Jahrhunderts. In: Fischer, Norbert/ Dracklé, Dorle (Hrsg.): Nekropolis. Der Friedhof als Ort der Toten und der Lebenden. Stuttgart 2005. S. 95-106.