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Lehrstuhl für Ägyptologie

Würzburg vor den Pyramiden: DFG fördert neues Projekt zum Pyramidenkomplex des Sahurê in Abusir

05.04.2018

Als Basis der großartigen Leistungen Ägyptens im Alten Reich diente eine hocheffiziente und kompetente Ökonomie, die über ein ausgefeiltes Instrumentarium der Produktion, Administration und Verteilung von erzeugten Waren verfügte. Die DFG bewilligte nun 335.000 EUR für zunächst drei Jahre für diese Forschungen am Würzburger Lehrstuhl. Dr. Mohamed Ismail Khaled wird sich ab August 2018 damit beschäftigen.

Pyramidentempel und Pyramide des Sahurê (ca. 2490-2475 v. Chr.; Photo: Stadler)

Der frühe ägyptische Staat kann als stark zentralisierter, komplexer politischer und kultureller Organismus aufgefasst werden, der auf verschiedenen Ebenen operierte mit dem König an der Spitze, dem seine engsten Vertrauten als hohe Beamte zur Seite standen. Im Namen des Königs war der Staat verantwortlich für die Einziehung erzeugter Waren, die dem Unterhalt des königlichen Hofes und der Durchführung königlicher Projekte dienten.

Zu den Ergebnissen solcherart durchgeführter staatlicher Administration zählten großangelegte Projekte, die nicht nur zentral gesteuerte landwirtschaftliche Aktivitäten betrafen, sondern auch nicht gewinnbringende, in der Herrschaftsideologie wurzelnde Projekte, wie die Errichtung der Pyramiden und anderer monumentaler königlicher Bestattungsplätze. Um diese finanzieren zu können, zog der Staat Steuern ein, die zumeist aus großen Teilen des landwirtschaftlichen Überschusses bestanden. Hinzu kam die Einziehung von zu Dienstleistungen verpflichteten Arbeitstruppen. Die Grundlage der altägyptischen Wirtschaft bildeten Landwirtschaft und Viehzucht. Dementsprechend spielten die königlichen Domänen, d.h. auf Anordnung des Königs eingerichtete landwirtschaftliche Produktionsbetriebe, eine herausragende Rolle in der Ökonomie des Alten Reiches.

Das neu bewilligte Forschungsprojekt fokussiert auf die Bearbeitung, Analyse und Interpretation der neu entdeckten Reliefszenen mit Domänenaufzügen vom Aufweg der Pyramidenanlage des Sahurê in Abusir. Diese königlichen Domänen sicherten u. a. die Versorgung der Arbeiter im Zuge der Errichtung des Pyramidenkomplexes dieses Königs als auch die später dort den Totenkult des Königs durchführenden Totenpriester und weiteres Kult- und Dienstpersonal mit Nahrung und anderen notwendigen Produkten.

Die königlichen Domänen spielten außerdem generell eine tragende Rolle bei der schrittweisen Erschließung des großenteils noch unerschlossenen Landes im Alten Reich, der sogenannten inneren Kolonisation, sowie die Entwicklung seiner Infrastruktur und der Konsolidierung der zentralen Landesverwaltung. Das am Aufweg des Sahurê in Abusir neu entdeckte Material liefert uns hervorragende Möglichkeiten, eine neue Diskussion über die Bedeutung der königlichen Domänen, ihrer Funktion, Nutzungsdauer, geografischen Lage und ihrer Position im System der Ökonomie des Alten Reiches zu initiieren.

Darüber hinaus kann das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der altägyptischen Ökonomie und seines administrativen Apparates insgesamt, also zu den Grundlagen der altägyptischen Hochkultur selbst, leisten.

Von Prof. Dr. Martin Stadler

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