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Lehrstuhl für Europäische Ethnologie / Empirische  Kulturwissenschaft

Unterwegs in Gärten

Hier möchten wir Sie an unseren Besuchen in Deutschlands Gärten teilhaben lassen. Damit teilen wir auch unsere Freude an der Begeisterung und dem Wissen unserer Forschungspartner:innen.

Sie sind Gärtner und möchten mit uns forschen? Bitte kontaktieren Sie uns:

multispeciesgardening@uni-wuerzburg.de


Unterwegs in Unterfrankens Gärten

Als eine ländliche Region im Norden Bayerns ist Unterfranken geprägt durch die sogenannte „Unterfränkische Trockenplatte“ bzw. „Schweinfurter Trockenplatte“, welche einen regen Weinbau zulässt. Durch die standardmäßig geringen Niederschlagsmengen zeigen sich die Effekte des Klimawandels in den unterfränkischen Gärten bereits heute sehr deutlich. Hitze und Trockenheit setzen vielen Pflanzen und Tieren zu. Gleichzeitig wissen immer mehr Gärtnerinnen und Gärtner mit wenig (Gieß-)Wasser umzugehen. So wird zum Beispiel die Pflanzenauswahl zur Strategiefrage eines jeden Gartenbesitzenden, während zugleich neue Arten aus südlicheren-mediterranen Regionen gedeihen und bekannte Früchte wie Tomaten, Paprika, Chilischoten besondere Aromen unter den neuen Gegebenheiten entwickeln. Trockenheitsbewältigungsstrategien wie Mulchen oder Hacken gehören mittlerweile zu fast jedem Gartenalltag, eingebunden in Gartenästhetiken und Praktiken des Gärtnerns, in denen Amphibien, Vögel, Insekten und anderen Lebewesen immer öfter mitgedacht werden.

Tomatenvariationen

"Ja, der Garten ist ein Ort der Entspannung, teilweise der Meditation. Man kann sich austoben, mit seinen Ideen verwirklichen, was man plant oder ansät und großzieht. Um die 65  Tomatensorten sind es, glaube ich, jetzt in unserem Garten. Wenn du Tomatenstöcke im Garten hast, dann hast du schon a weng [ein wenig] verschiedene Variationen. Das sind schon verschiedene Arten, und Größen."

Tipp des gärtnernden Ehepaares : Samenkörner selber ziehen und die Samen kurz vor der Aussaat in Kamillentee einweichen lassen.


 

Mulchwurst und Regenwurm

„Also, mein Lieblingsthema, das ist das gesamte Bodenleben. Wenn ich eine Mulchwurst aufhebe und ich sehe einen besonders dicken, langen Regenwurm, dann bin ich total begeistert.“

Tipp des Gärtners: Mulchen in Form einer Mulchwurst mit eigenem Wiesenschnitt


Etwas bewegen

„Naja gut, der Garten hat sich schon sehr gewandelt. Den Gartenteich, den habe ich gemacht zum Beispiel. Diese Wildblumenwiesen, die sind ja von mir und das war vorher wirklich nur eine Streuobstwiese, eine kahle Fläche eigentlich. […] Aber so hier die Eidechsenburg da unten, das Sandarium oder das Magerbeet das ist dann alles schon mehr. Ja, gut ich meine, ob ich jetzt hiermit die Welt rette, bezweifle ich ganz stark, aber wenn jeder nur ein bisschen etwas tut, da kann man schon ein bisschen etwas bewegen.“

Tipp des Gärtners: Einfach mal machen – Stück für Stück.


Schöne Zeiten im Garten

       
„Also es gibt ja so viele schöne Zeiten im Garten. Ich habe unten eine Schachbrettblumenwiese, wenn die blüht, ist es schön. Oder wenn die Kirschen blühen, weil dann sehe ich, wie meine Wildbienen direkt vom Hotel direkt auf die Kirsche draufgehen. Oder wenn der Specht brütet, dann merkt man das sofort, weil dann fliegt er, Herr und Frau Specht, im Pendelverkehr zu meinem Meisenknödel. Die machen allein den Meisenknödel platt. Das machen die aber nur dann, wenn sie brüten. […] Ja, eigentlich mag ich alles, was hier kreucht und fleucht. Deswegen habe ich auch mein Blindschleichenhotel, weil die Blindschleichen mag ich. Die Weinbergschnecken, wie gesagt, die beschrifte ich, die kriegen auf ihre Häuser Namen drauf.“

 

Tipp des Gärtners: Den Garten mit den anderen Lebewesen genießen und gemeinsame Strukturen schaffen.