Deutsch Intern
Institute of Art History

Gedruckte Bilder im Kulturtransfer

Der europäische Kunst- und Kulturtransfer der Frühen Neuzeit ist ein Forschungsschwerpunkt des Würzburger Instituts für Kunstgeschichte. Besondere Aufmerksamkeit gilt der visuellen Kommunikation über vervielfältigte Bilder und den Verfertigern solcher Bilder im Rahmen der Künstlermigration zwischen dem deutschen bzw. niederländischen Sprachraum und Italien im 16. bis 18. Jahrhundert.

Beide Aspekte konkretisieren sich in der Erforschung von inter- und transnational tätigen Schlüsselgestalten der frühneuzeitlichen Druckgraphik und in der Rekonstruktion und Auswertung von deren bisher oft unzureichend oder kaum erschlossenen Werken. Im Blick sind sowohl die beteiligten Künstler als auch die Verleger, Auftraggeber, Sammler und überhaupt das ‚Publikum‘; es geht also immer auch um die medialen, kulturellen und wirtschaftlichen Dimensionen des Bilddrucks. Wichtiges Instrument dieser Forschungen sind die Oeuvre-Kataloge des New Hollstein German Engravings, Etchings and Woodcuts, 1400-1700 (www.hollstein.com), die auf größtmögliche wissenschaftliche Präzision in der Beschreibung und auf den Einzelnachweis von erhaltenen Abzügen und Druckzuständen angelegt sind. Auf Basis der Pionierarbeit dieser Kataloge entstanden weitere wissenschaftliche Publikationen, Tagungen und Ausstellungen.

Im Rahmen des New Hollstein German hat Eckhard Leuschner (Würzburg) als Editor vier Bände zu The Greuter Family, fünf Bände zu Johann Ulrich Kraus und sieben Bände zu Dominicus Custos betreut (Compiler jeweils: Jörg Diefenbacher). Dazu kamen drei Bände zu David, Jacob and Raffael Custos (Compiler: Eva-Maria Hofbauer). Weitere Bände zu Leonhard II Heckenauer und Alexander Mair sind in Vorbereitung.

Zur international – in Strasbourg, Lyon, Augsburg, Florenz und Rom – tätigen Künstler- und Verlegerdynastie der Greuters fand 2016 in Würzburg eine wissenschaftliche Tagung und Ausstellung im Martin von Wagner Museum statt. Die Präsentation der New Hollstein German-Bände zu Johann Ulrich Kraus, einem Protagonisten des Kulturtransfers zwischen Italien, Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich, markierte 2019 ein Studientag und eine Ausstellung im Museum für Franken, Würzburg. Die Beiträge der Kraus-Tagung wurden, vermehrt um zusätzliche Studien, 2021 in einem von Eckhard Leuschner und Friedrich Polleross (Wien) herausgegebenen Themenband von Frühneuzeit-Info publiziert, das im Rahmen eines weiteren Studientages in der Albertina, Wien, vorgestellt wurde. Den Abschluss des umfangreichen New Hollstein German-Katalogprojekts zu den Werken der aus Antwerpen stammenden, später vor allem in Augsburg und Venedig als Kupferstecher und Verleger tätigen Mitgliedern der Familie Custos markierte 2023 ein zusammen mit der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg organisierter Studientag. Die Publikation der verschriftlichten Beiträge ist vorgesehen.

Die Greuters - Sonderausstellung im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg

04/22/2016

Vom 21. April bis 12. Juni 2016 läuft in der Gemäldegalerie die Ausstellung "Die Greuters - Europäische Künstler und Verleger der Frühen Neuzeit. Werke aus Würzburger Sammlungen".

Die Ausstellung, Ergebnis einer Zusammenarbeit des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Würzburg mit dem Martin von Wagner Museum, zeigt Werke der Greuter-Familie, einer einflussreichen Künstler- und Verlegerdynastie, die im 16. und 17. Jahrhundert in Straßburg, Augsburg, Lyon und Rom tätig war. Druckgraphiken aus der museumseigenen Sammlung und aus Privatbesitz werden durch illustrierte Bücher aus der Universitätsbibliothek Würzburg ergänzt. Zum Vergleich sind Arbeiten wichtiger Zeitgenossen präsentiert.

Der in Straßburg geborene Matthäus Greuter (1566-1638), Stammvater der Dynastie, war renommierter Kupferstecher, Drucker und Verleger. Nach einigen Jahren der Tätigkeit in seiner Heimatstadt sowie in Lyon und Avignon gründete er 1603 in Rom ein florierendes Unternehmen, das in regem Kulturaustausch mit Deutschland und Frankreich stand. Die Kunden schätzten Greuter wegen seiner erstklassigen Qualität und Vielseitigkeit: Heiligen- und Madonnenbilder gehörten ebenso zu seinem Sortiment wie Architektur, Stadtpläne, allegorische Thesenblätter und Porträts.

Unter anderem fertigte Greuter naturwissenschaftliche Darstellungen für Galileo Galilei und stach den ersten Blick auf Bienen durch ein Mikroskop. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang kooperierten Matthäus, seine Söhne und Enkel mit fast allen in Rom tätigen Spitzenkünstlern, darunter Gianlorenzo Bernini, Guido Reni und Pietro da Cortona. Das Bild der neuen Peterskirche wurde maßgeblich durch Stiche der Greuters in ganz Europa verbreitet.

Die Ausstellung vermittelt Matthäus Greuter als einen der anpassungsfähigsten "Künstlermigranten" der Frühen Neuzeit, der sich an jedem seiner Arbeitsorte erfolgreich neuen Anforderungen und Gegebenheiten stellte.

Back

Studientag am Do 21. April 2016

03/01/2016

Die Greuters: Eine europäische Künstler- und Verlegerdynastie der Frühen Neuzeit im Kulturaustausch zwischen Deutschland, Frankreich und Italien

Studientag am Donnerstag, 21. April 2016, von 13.30 bis 18.00 Uhr im Martin von Wagner Museum aus Anlass der Präsentation des vierbändigen Werkkatalogs „The Greuter Family“ in der Reihe des New Hollstein German (Compiler: Jörg Diefenbacher; Editor: Eckhard Leuschner); in Verbindung mit einer Studio-Ausstellung von Graphiken der Greuters im Besitz des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg und der Universitätsbibliothek Würzburg.

 

13.30 UhrBegrüßung (Damian Dombrowski, Direktor der Neueren Abteilung des MvW Museums der JMU Würzburg; Eckhard Leuschner; Institut für Kunstgeschichte, JMU Würzburg)
13.45 UhrGer Luijten (Fondation Custodia, Paris): Das "Hollstein Projekt" damals und heute: Was wollen wir erreichen?
14.00 UhrFrits Garritsen (Verleger, Rotterdam): The Greuter volumes in The New Hollstein
14.15 Uhr Jörg Diefenbacher (Mannheim): Die Greuters: Verwandtschaftsverhältnisse, Arbeitsorte, Geschäftsstrategien
14.45 UhrDaniela Roberts (Institut für Kunstgeschichte, JMU Würzburg): Memento Mori: Der "Totenkopf" von Matthäus Greuter
15.00 UhrStefan Bürger (Institut für Kunstgeschichte, JMU Würzburg): Matthäus Greuter für Daniel Specklin: Festungsarchitekturen
15.15 UhrLéna Widerkehr (Musée des Beaux-Arts, Lyon): Matthäus Greuter in Lyon und Avignon
15.45 UhrKaffeepause
16.15 UhrMario Bevilacqua (Università degli Studi di Firenze): The “Map of Rome” and other topographical images of Matthäus Greuter
16.45 UhrYahya Kouroshi (Institut für Kunstgeschichte, JMU Würzburg): Matthäus Greuters Bildnisse persischer Botschafter in Rom
17.00 UhrSabine Schlegelmilch (Institut für Geschichte der Medizin, JMU Würzburg): Die „Bienen unter dem Mikroskop“ von Matthäus Greuter
17.15 UhrVerena Friedrich (Institut für Kunstgeschichte, JMU Würzburg): Zitrusfrüchte und Blütenträume: Johann Friedrich Greuters Arbeiten für Giovanni Battista Ferrari
17.30 UhrEckhard Leuschner (Institut für Kunstgeschichte, JMU Würzburg): Madonnen im Kulturtransfer: Die Gnadenbilder der Greuters zwischen Augsburg und Palermo

 

 

 

Weitere Informationen:

https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/einblick/archiv/

https://idw-online.de/de/news649251

Back

Johann Ulrich Kraus: Buch- und Zeitschriftenpräsentation in der Wiener Albertina

10/20/2021

Einladung zur Buch- und Zeitschriftenpräsentation "Johann Ulrich Kraus (1655-1719) und die Augsburger Druckgraphik".

Am 3. November findet im festlichen Rahmen der Prunkräume der Wiener Albertina die Präsentation der gedruckten Ergebnisse zweier Forschungsprojekte zum Augsburger Kupferstecher und Verleger Johann Ulrich Kraus (1655-1719) statt: Es handelt sich erstens um den in der Reihe des New Hollstein German erschienenen fünfbändigen Katalog der von Kraus eigenhändig geschaffenen oder verlegten Graphik (Compiler: Jörg Diefenbacher; Editor: Eckhard Leuschner), zweitens um die Erträge eines 2019 im Würzburger Museum für Franken abgehaltenen Studientages zu Kraus, die im neusten Themenheft der wissenschaftlichen Zeitschrift Frühneuzeit-Info auf fast zweihundert Seiten versammelt sind (Herausgeber: Eckhard Leuschner und Friedrich Polleroß). Unter den Beiträgen des Themenhefts sind u.a. Studien zu Kraus und dem kaiserlichen Hof (Friedrich Polleroß), zu den Ovid-Illustrationen von Kraus (Daniela Roberts), zu Kraus als Vermittler der Hofkunst des französischen Sonnenkönigs in den deutschen Sprachraum (Ulrike Seeger) und zur Zusammenarbeit von Kraus mit dem Nürnberger Perspektivzeichner Johann Andreas Graff (Verena Friedrich und Eckhard Leuschner).

Auf der Präsentation sprechen Dr. Christof Metzger (Chefkurator der Albertina), Prof. Dr. Karl Vocelka (Universität Wien), Frits Garritsen (Sound & Vision Publishers, Rotterdam), Prof. Dr. Eckhard Leuschner (Universität Würzburg) und Dr. Friedrich Polleroß (Universität Wien). Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von Kompositionen Kaiser Leopolds I., dessen Zeitgenosse Kraus war. Erforderlich für die Teilnahme ist eine verbindliche Anmeldung beim Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit in Wien bis 27.10. Es gelten die 2 ½ G-Regeln.

Die Einladung zur Präsentation mit Programm finden Sie hier.

Back

Johann Ulrich Kraus und der Würzburger Ratskalender --- Ausstellung noch bis 23. Juni 2019 geöffnet!

05/13/2019

Der in Augsburg tätige Johann Ulrich Kraus (1655-1719) gehörte seinerzeit zu den einflussreichsten Kupferstechern und Graphikverlegern des deutschen Sprachraums. Die ihm gewidmete Studio-Ausstellung im Museum für Franken bietet anlässlich des 300. Todesjahres des Künstlers die Gelegenheit, einen prestigeträchtigen Würzburger Auftrag an Kraus näher zu betrachten:

die Anfertigung der drei Druckplatten für den mehr als 130 cm hohen Ratskalender, der den Stadtrat und sein Selbstverständnis nach innen und außen repräsentieren sollte und seit 1696 für gut dreißig Jahre verwendet wurde; nur das typographisch gestaltete Calendarium wurde jedes Jahr neu eingefügt. Mit der Wahl von Kraus bewies der Würzburger Rat Qualitätsbewusstsein: Er beauftragte einen der renommiertesten Künstler des Reiches. Von den originalen Kupferplatten des Ratskalenders sind zwei im Museum für Franken erhalten und bilden das Zentrum der Schau. Der einzige bekannte komplette Originalabzug des Ratskalenders wurde 1962 aus dem Würzburger Bürgerspital entwendet; er ist bis heute nicht wiederaufgetaucht. Allerdings gibt es Fragmente eines anderen Exemplars im Besitz der Würzburger Universitätsbibliothek.

In der Ausstellung gruppieren sich um die Platten des Ratskalenders aussagekräftige Beispiele für Kraus‘ übrige umfangreiche Produktion, die seine thematische Vielseitigkeit als Verfertiger von Einblattdrucken, graphischen Serien und Buchillustrationen erweisen, darunter Porträts, Stadtansichten, biblische und ovidische Szenen, Fabeln, allegorische Frontispize und Ornamente. Besonders wichtig war Kraus als Vermittler der aktuellen Stiltendenzen am Hof des französischen Sonnenkönigs nach Mitteleuropa sowie als politischer Propagandist des habsburgischen Kaiserhauses und von dessen Unterstützern. Diese Leistungen machen ihn zu einem der wichtigsten Protagonisten des internationalen Kulturtransfers um 1700.

Neue Publikation:

Der fünfbändige Gesamtkatalog der von Kraus geschaffenen und verlegten Drucke in der Reihe des New Hollstein German (Compiler: Jörg Diefenbacher; Editor: Eckhard Leuschner) - Details dazu finden Sie hier:

https://www.hollstein.com/index/41-new-project-johann-ulric.html

Back

Studientag: Familie Custos (Augsburg, 30 Nov 23)

11/10/2023

Studientag zur Familie Custos, einer Kupferstecher- und Verlegerfamilie des Frühbarock zwischen Antwerpen, Innsbruck, Venedig und Augsburg (mit Präsentation des Werkkatalogs in der Reihe des New Hollstein German Engravings, Etchings and Woodcuts, 1400-1700)

Organisatoren: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg e.V. und Institut für Kunstgeschichte der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Unterstützt durch Sound & Vision Publishers

Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich

Kontakt: sekretariat@sustb-augsburg.de
l-kunstgeschichte@uni-wuerzburg.de

Die aus Antwerpen gebürtige Familie Custos gehört zu den Mitbegründern der großen Tradition des Produzierens und Verlegens von Kupferstichen und illustrierten Büchern im frühneuzeitlichen Augsburg. Ihr vielseitiges Schaffen, ihr Geschäftssinn und ihre internationalen Kontakte machten Augsburg zu einem Dreh- und Angelpunkt des europäischen Medienbetriebs und Kulturaustausches in den Jahren um 1600. Der Studientag findet aus Anlass der Publikation des neuen, komplett illustrierten Werkverzeichnisses der Werke von Dominicus, David, Raphael und Jacob Custos in der Reihe des New Hollstein German Engravings, Etchings and Woodcuts 1400 –1700 statt. In den angebotenen Vorträgen werden die Karrieren der einzelnen Custodes vorgestellt und in die kulturellen Bedingungen im Augsburg der Zeit eingeordnet. Außerdem sollen ausgewählte Publikationsprojekte hinsichtlich ihrer historischen und künstlerischen Bezüge näher untersucht werden.

Flyer zum Download

Beginn: 9:30 Uhr

Grußworte
Karl-Georg Pfändtner (Leiter der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg)

Eckhard Leuschner (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Kunstgeschichte der Julius-Maximilians-Universität Würzburg)

Helmut Zäh (Vorsitzender der Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg e.V.)

Frits Garritsen (Sound & Vision Publishers, Verleger des Hollstein)

Andrea Gottdang (Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Augsburg)

Erste Sektion
Hans-Martin Kaulbach (Stuttgart): Zur Augsburg-Agenda des New Hollstein German (Kurzvortrag)

Jörg Diefenbacher (Mannheim): Übersichtsvortrag zu Dominicus Custos

Claudia-Maria Hofbauer (Wien): Übersichtsvortrag zu David, Raphael und Jacob Custos

11:00-11:30 Uhr Kaffeepause

Zweite Sektion
Eckhard Leuschner (Würzburg): Die Verarbeitung italienischer Modelle in den Kupferstichen der Custos-Familie

Sibylle Appuhn-Radtke (München): Zum Transfer europäischer Bildfolgen nach Augsburg: Dominicus Custos und seine Adaption von Les songes drôlatiques nach den Holzschnitten von François Desprez

13:00-14:00 Uhr Mittagspause

Dritte Sektion
Wolfgang Augustyn (München): Der konfessionelle Aspekt im Werk der Custos-Familie

Sandra Diefenthaler (Stuttgart): Fürstliche Vorlagen. Die Bilderfindungen süddeutscher Hofmaler für die Custos-Familie

15:30-16:00 Uhr: Kaffeepause

Vierte Sektion
Susan Tipton (München): Die Anfänge von Lucas und Wolfgang Kilian in der Custos-Werkstatt

Hanna Lehner (Bochum): Augsburger Netzwerke. Zur Provenienz der Custos-Druckgraphiken im Wolfegger Kupferstichkabinett

Karl-Georg Pfändtner (Augsburg): Die Kupferplatten der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, eine kaum bekannte Quelle auch zu den Custodes

Ende: ca. 18:00 Uhr

Back