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Philosophische Fakultät

Aus der Vogelperspektive auf das Englische schauen

15.09.2026

Geolingual Studies verbindet als interdisziplinäres Fach die Sprachwissenschaften mit der Fernerkundung. Ein neuer Sammelband zeigt, welche Möglichkeiten sich dadurch für die Forschung eröffnen.

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Im Fokus des Bandes stehen Megastädte wie zum Beispiel Singapur, Tokio, New York, Hongkong und, wie hier zu sehen, London. (Bild: Carolin Biewer)

Englisch steht in den meisten Schulsystemen, im internationalen Welthandel und im Internet an der Weltspitze. Die meisten denken dabei vermutlich an die Sprachstandards aus den USA und dem Vereinigten Königreich, wie sie in der Schule gelehrt werden. In Megastädten wie beispielsweise Singapur, Hongkong oder Tokio gibt es aber unzählige Englisch-Varianten, die seit den 1980er-Jahren durch den Forschungsbereich World Englishes immer mehr in den Fokus der Sprachwissenschaft getreten sind und treten.

Der Fachbereich Geolingual Studies (GLS) zielt darauf ab, Variation im Sprachgebrauch und ihre räumliche Verortung systematisch zu erfassen und zu untersuchen. Denn der neue Fachbereich versammelt Methoden der Linguistik, Geographie, Fernerkundung und Digital Humanities in einer Disziplin.

Spezialisiert auf das Zusammenspiel aus Sprache und Raum hat sich ein interdisziplinäres Team der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zusammengefunden. Forschende aus diesem Verbund haben nun einen neuen Sammelband zu Englisch-Varianten in urbanen Räumen im Verlag Edinburgh University Press veröffentlicht, der sich den aktuellen Forschungstrends der GLS widmet. Sein Titel: Geolingual Studies on Urban Space.

Herausgegeben haben ihn: Professorin Carolin Biewer, Leiterin des Lehrstuhls für Englische Sprachwissenschaft, ihre wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Dr. Lisa Lehnen und Dr. Ninja Schulz sowie Professor Hannes Taubenböck, Leiter des Lehrstuhls für Globale Urbanisierung und Fernerkundung am Earth Observation Research Cluster sowie Abteilungsleiter „Georisiken und zivile Sicherheit“ am Erdbeobachtungszentrum (EOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Aus der Vogel- und Userperspektive

In zehn Kapiteln beschreiben Forschende aus Linguistik und Erdbeobachtung verschiedene sprachwissenschaftliche Ansätze für die Untersuchung urbaner Räume. Aus der Fernerkundung kommen objektive Daten wie Satelliten- und Drohnenbilder hinzu. Sie geben Aufschluss über Siedlungsentwicklungen, strukturelle Variabilität im Raum, zentrale oder periphere Lagen, Mobilität und Migration über die Zeit. Verbunden mit dem Verständnis von Sprache als Kennzeichen für Gruppenzugehörigkeit und als Marker, wie Gruppen das Stadtleben wahrnehmen, ergänzen sich Erdbeobachtungsdaten und Sprachwissenschaft und ermöglichen eine ganzheitlichere Perspektive.

Die Autorinnen und Autoren wählen nicht nur den Blick von oben: Auch Social-Media-Daten, Zeitungsartikel, Umfragen, Interviews und ethnographische Beobachtungen sind Teil der Untersuchungen. Posts auf Plattformen wie Twitter (jetzt X) können Informationen über die Emotionen der Userinnen und User in Bezug auf ihr urbanes Umfeld enthalten und wie sie dieses wahrnehmen. Standort-Markierungen oder Textinhalte zeigen mitunter, wo die Posts zu verorten sind.

„GLS bietet die Möglichkeit, Megastädte als diverse und dynamische urbane Räume zu untersuchen, in denen soziokulturelle Trends und Transformationen besonders sichtbar sind“, so Carolin Biewer. Die Disziplin liefere für linguistische Analysen den optimalen systematischen Rahmen.

Event zur Buchveröffentlichung

Die öffentliche Buchvorstellung findet am Donnerstag, 15. Oktober 2026, im Zentrum für Philologie und Digitalität der Universität Würzburg am Campus Hubland Nord (Emil-Hilb-Weg 23, Raum 00.002) statt. Interessierte Gäste sind herzlich willkommen.


Publikation

Carolin Biewer, Lisa Lehnen, Ninja Schulz, Hannes Taubenböck (Hrsg.) (2026): Geolingual Studies on Urban Space. Edinburgh University Press (Reihe: New Directions in World Englishes Research). PDF-ISBN: 978-1-3995-5662-0, Print-ISBN: 978-1-3995-5660-6, 448 Seiten, 125 britische Pfund.

Kontakt

Prof. Dr. Carolin Biewer, T +49 931 31-80224, carolin.biewer@uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Hannes Taubenböck, T +49 931 31-86778,  hannes.taubenboeck@uni-wuerzburg.de

Von Martin Brandstätter

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