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European Ethnology

Forschungskolloquium: Aktuelle Forschungsbereiche

Forschungskolloquium Wintersemester 2026/27
Verantwortlich: Prof. Dr. Michaela Fenske

Das Forschungskolloquium des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie/Empirische Kulturwissenschaft stellt innovative Forschungsfelder und neue Forschungen vor. In diesem Wintersemester werden Forschungen zu verschiedenen aktuellen Themen vorgestellt, die Mitarbeitende und Studierende des Faches ausgewählt haben.

 

Fragen bitte an:
michaela.fenske@uni-wuerzburg.de

 

  Nächste Veranstaltung: 29.10.26, 18:15 Uhr

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Abstract

Während geschlechtersensible Medizin in Forschung und Ausbildung immer noch um Anerkennung ringt, tragen populärwissenschaftliche Ratgeber, Rundfunk- und TV-Beiträge, vor allem aber Social Media auf gesellschaftlicher Ebene zu einer erhöhten Sensibilität für das Thema bei. Teils werden hier historische Rückbezuge auf die Frauengesundheitsbewegung der 1970/80er Jahre vorgenommen. Der Vortrag beleuchtet basierend auf Archiv- und Interviewquellen Diskurse, Positionierungen und Narrative rund um diese Entwicklungen.

Barbara Wittmann ist seit 2022 Juniorprofessorin für Europäische Ethnologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Zuvor war sie am Rachel Carson Center for Environment and Society der LMU München sowie in der Vergleichenden Kulturwissenschaft der Universität Regensburg als Wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Agro-Food Studies, Medizinethnologie mit Fokus auf Gendermedizin sowie immaterielles Kulturerbe.

Lektüre zur Vorbereitung: Barbara Wittmann: Fatigue vor Covid 19: Eine Patientinnensicht auf Gender-Aspekte, Psychosomatisierung und medizinische (Nicht-)Wissensregime bei ME/CFS. In: Kuckuck. Notizen zur Alltagskultur. 2/2022

Abstract

Der Borkenkäfer gilt vielen als aktuell größter Feind des Waldes – Symbol für Waldsterben, wirtschaftliche Verluste und die Folgen des Klimawandels. Zugleich wird er aber auch als ‚grüner Agent‘ eines ökologischen Wandels im Wald gewertet. Zwischen diesen gegensätzlichen Deutungen bewegen sich unter anderem die Menschen, die tagtäglich Entscheidungen über die Zukünfte der Wälder treffen.

Im Vortrag stellen wir unser Forschungsprojekt vor, das aus kulturwissenschaftlicher Sicht darauf zielt, Wälder als komplexe sozial-ökologische Systeme zu verstehen, und den Blick auf die Entscheidungspraktiken von Akteur*innen im Forstmanagement und in der Forstverwaltung des Schwarzwalds richtet: Es geht um (widersprüchliches) Wissen im Kontext des Klimawandels, um Unsicherheiten in Sachen Zukunftsgestaltung und Affekten im Umgang mit Buchdruckern und Kupferstechern. Im Mittelpunkt unserer Forschung stehen Fragen wie: Wann, wie, mit wem, wo und auf welcher (Wissens-)Grundlage treffen Akteur*innen in Forstmanagement und -verwaltung Entscheidungen? Welche Rolle spielen hierbei wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen, Emotionen, Werte, Deutungen von Ökonomie, doch auch Mensch-Tier-Beziehungen und Vorstellungen ‚guter‘ Zukünfte?

Das kulturanalytische Forschungsvorhaben ist Teil des multidisziplinären Exzellenzclusters Future Forests an der Universität Freiburg, der sich Fragen der Anpassung und Transformation von Wäldern und ihrer gesellschaftlichen Nutzung an den globalen Wandel widmet: https://uni-freiburg.de/futureforests/

Enno Link und Sarah May arbeiten zusammen im Forschungsprojekt Knowledge Barriers – Knowledge Practices: Making Contested Decisions in Everyday Work of Forest Management (2026–29) im Kontext des Exzellenzclusters Future Forests der Universität Freiburg.

Enno Link studierte Kulturanthropologie/Europäischen Ethnologie und Interdisziplinäre Anthropologie in Freiburg und arbeitet seit April 2026 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Knowledge Barriers – Knowledge Practices, in welchem er Entscheidungspraktiken und -deutungen von Akteur*innen im Forst in Bezug zu Klimakrise, Waldumbau und Borkenkäfern untersucht.

Sarah May erforscht Arbeitskulturen an den Schnittstellen von Ökologie, Politik, Ethik und Recht an Beispielen wie Bioökonomien, Windenergie und Naturschutz, Nachhaltigkeit und Handwerk Klimakrise und Forstmanagement. Sie leitet den Forschungsbereich Decision-making practices im Cluster Future Forest und arbeitet als Vertretungsprofessorin am Freiburger Institut für Empirische Kulturwissenschaft. 

 

Lektüre zur Vorbereitung: 

Hoss, Laura. 2022. Waldgemeinschaften im Klimawandel. Eine kulturanthropologische Studie. Würzburg: Universität Würzburg.

> daraus min. S. 80–98; ergänzend gerne S. 98–121 und mehr.

sowie

Boholm, Åsa, Annette Henning und Amanda Krzyworzeka. 2013. „Anthropology and decision making: An introduction.“ Focaal 2013 (65): 97–113.

> daraus min. S. 97–99 und 106–108.

Abstract

In meinem Vortrag beschäftige ich mich mit der Aktualisierung der Schweizer ‚Filmpionierinnen‘ und ihrer feministisch-filmischen Arbeiten in der Gegenwart: an Festivals, in Archiv- und Forschungsarbeiten. Ein besonderes Interesse gilt der Bearbeitung von feministisch-filmischer Bewegungsgeschichte über die wirkungsmächtige Vorstellung der ‚vergessenen Pionierinnen‘ und ihrer ‚Wieder-Entdeckung‘.

Gina Dellagiacoma ist seit 2023 Assistentin für Populäre Literaturen und Medien am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich, wo sie auch ihre Doktorarbeit schreibt. Sie ist zudem seit vielen Jahren als freie Kulturveranstalterin und -Vermittlerin, als Moderatorin sowie in der Kulturpolitik tätig.

Lektüre zur Vorbereitung: Lucas Hilderbrand: Retroactivism. In: GLQ (2006), 12 (2): 303–317.

Abstract

Spielzeuge sind mehr als Dinge zum Spielen: Als kulturelle Artefakte spiegeln sie gesellschaftliche Vorstellungen, Normen und Werte wider und tragen zugleich zu deren Hervorbringung bei. Die Spielzeugforschung fragt deshalb nicht nur nach Spielzeugen selbst, sondern danach, was sich an ihnen über Gesellschaft erkennen lässt – etwa über Vorstellungen von Kindheit, Familie, Geschlecht, Konsum oder Bildung. Der Vortrag gibt einen Überblick über zentrale Forschungszugänge und Fragestellungen der Spielzeugforschung und zeigt anhand ausgewählter eigener Projekte, wie Spielzeug zum Ausgangspunkt für die Analyse gesellschaftlicher und kultureller Prozesse werden kann.

Prof. Dr. Wiebke Waburg ist Professorin für Pädagogik mit den Schwerpunkten Migration und Heterogenität an der Universität Koblenz. Sie ist Sprecherin der Forschungsgruppe „Spielend Gesellschaft bilden“ an der Universität Koblenz. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Spiel- und Spielzeugforschung, Migrations- und kulturvergleichende Studien mit Schwerpunkt Ostafrika sowie kulturelle Bildung und Diversität im ländlichen Raum.

Lektüre zur Vorbereitung: Waburg, Wiebke; Mehringer, Volker; Sterzenbach, Barbara (Hrsg.) (2026): Brett- und Gesellschaftsspiele - Aktuelle Studien und spielpädagogische Ansätze (= Spielzeug und Spielen, Band 2). Weinheim: BeltzJuventa.

Abstract

Fieldwork transforms the ethnographer — not only their view, but their methods. This lecture traces that claim through a gallery of cases: how the atmospheres of a Hamburg music venue, the Golden Pudel Club, led me to start drawing 'live' in the field, and how drawing grew from a coping gesture into the pillar of a multimodal ethnography of puzzlement — across contemporary art, music theatre, design research, and neurosurgical map-making. Sketching, I argue, is not illustration but a logic of inquiry in its own right.

Maxime Le Calvé is a Research Associate at the Cluster of Excellence 'Machine Learning' at the University of Tübingen and an Associated Member of the Cluster of Excellence 'Matters of Activity’ at HU Berlin. He holds a joint PhD in Social Anthropology and Theaterwissenschaft from EHESS Paris and Freie Universität Berlin, and has held visiting positions at the University of Oxford and Concordia University, Montreal. More info at maximelecalve.com.

Lektüre zur Vorbereitung: Golden Pudel-Ethnographie (open access)


Wintersemester 2024/25