piwik-script

English Intern
    Lehrstuhl für vergleichende Sprachwissenschaft

    Projekte

    Die Forschungsschwerpunkte der Würzburger Indogermanistik liegen auf den Gebieten Phonologie, Morphologie, Syntax und Lexikologie der indogermanischen Einzelsprachen, vor allem des Altindischen, Altiranischen, Griechischen, Lateinischen, Germanischen, Hethitischen, Armenischen, Keltischen sowie der gemeinsamen Grundsprache; Theorien der Allgemeinen Sprachwissenschaft, vor allem über Syntax, Sprachtypologie, Sprachwandel, grammatische Kategorien.

    Laufende Projekte

    VedaWeb (Juli 2017 – Juni 2020)

    Projektleiter*innen: Kölligan, Daniel; Reinöhl, Uta (Universität Freiburg); Neuefeind, Claes (Universität zu Köln); Sahle, Patrick (Universität Wuppertal)

    DFG, Juli 2017 – Juni 2020

    Dieses von der DFG geförderte Projekt stellt eine webbasierte Open-Access-Plattform zur Verfügung, welche die linguistische Recherche in altindischen Texten ermöglicht. Das Textkorpus wird in morphologisch und gegebenenfalls metrisch annotierter Form zur Verfügung gestellt und kann nach lexikographischen und korpuslinguistischen Kriterien durchsucht werden. VedaWeb ist Teil der Plattform Cologne South Asian Languages and Texts (C-SALT).

    Der Pilottext des Projekts ist der Rigveda, der über die C-SALT APIs für Sanskrit-Wörterbücher mit den auf Cologne Digital Sanskrit Dictionaries verfügbaren Wörterbüchern verknüpft ist . Die morphologische Annotation des Rig-Vedas wurde an der Universität Zürich (UZH) durchgeführt und dem Projekt zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung gestellt.

    Die Geschichte des altarmenischen Verbs an der Schnittstelle zwischen Lexikon und Grammatik (März 2021 – November 2022)

    Projektleiter: Kocharov, Petr

    Alexander-von-Humboldt-Stiftung, März 2021 – November 2022

    Die sich über drei Jahrtausende erstreckende Entwicklung des urindogermanischen Verbalsystems zum Klassischen Armenischen gibt der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft weiterhin viele Rätsel auf. Nur eine relativ kleine Anzahl armenischer Verben kann sicher aus bekannten urindogermanischen Verbalwurzeln abgeleitet werden. Diese Verben zeigen in ihrer morphologischen Struktur eine komplexe Mischung aus Archaismen und Neuerungen. Nach mehr als einhundert Jahren Forschung wird der genaue Umfang dieser Archaismen und Neuerungen immer noch debattiert, und die Faktoren, welche die jeweiligen morphologischen Merkmale bedingen, harren zum Großteil einer Erklärung.

    Entsprechende Ansätze erfordern unter anderem die Herstellung diachroner Verbindungen zwischen mehreren grundsprachlichen und armenischen Verbalklassen. Das Ziel des Projekts ist es, die Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Verbalklassen vom Urindogermanischen zum Armenischen nachzuvollziehen und die morphologischen Veränderungen zu beschreiben, die lautgesetzlich oder analogisch bedingt sein können. Das Projekt zielt darauf ab, die Quellen und Faktoren für die analogischen Veränderungen zu identifizieren, basierend auf a) den formalen Merkmalen der Verbalklassen; b) der Argumentstruktur; c) der Aktionalität und aspektuellen Merkmale der Verben; d) ihrer lexikalischen Semantik. In Übereinstimmung mit den Forschungszielen wird eine detaillierte Untersuchung der Argumentstrukturen und der aspektuellen Eigenschaften der ererbten armenischen Verben und ihrer grundsprachlichen Vorläufer durchgeführt. Die erzielten Ergebnisse werden einen wesentlichen Beitrag zur vergleichenden Grammatik des Armenischen leisten und neue Daten bzgl. der langfristigen Entwicklung von Verbsystemen für angrenzende Gebiete wie die allgemeine Sprachwissenschaften und die Typologie liefern.

    Eine neue Edition des zweitältesten indischen Textes, der Śaunakasaṃhitā des Atharvaveda nebst Wortindex der Paippalādasaṃhitā und Śaunakasaṃhitā

    Projektleiter: Kim, Jeong-Soo

    DFG, seit 2018

    Nach dem Abschluss des Projektes „Die Paippalādasaṃhitā des Atharvaveda. Kāṇḍa 8 und 9. Eine neue Edition mit Übersetzung und Kommentar“ (Dettelbach 2014) wurde Anfang 2015 die Er­stellung eines Index verborum von Dr. Jeong-Soo Kim in Angriff genommen. Als Erstes wurde eine verbesserte Version des Kāṇḍa 16 der Paippalādasaṃhitā erstellt, der sich mit 155 Kāṇḍikās durch seinen großen Umfang auszeichnet. Danach wurden die bereits publizierten (und teilweise noch nicht publizierten) Kāṇḍa-Bearbeitungen durchgelesen. Aus diesen wurden sämtliche Wörter in den Index aufge­nommen.

    Die bereits Anfang 2017 begonnene Neuedition der Śaunakīyasaṃhitā wurde von der DFG zuerst für 3 Jahre (ab Mai 2018) genehmigt (Zusammenfassung). Der neu zu erstellende AVŚ-Text wird im Index verborum sukzessiv seine Einträge finden (teilweise schon erfolgt) und die Lemmata, die bereits im Index verborum aufgenommen sind, dienen zur besseren Lesung des zu erstellenden AVŚ-Textes. Somit steht der neu erstellte Text der Śaunakīyasaṃhitā in einem sich ergänzenden Verhältnis mit dem Index verborum.

    Index Verborum des  AVŚ und des AVP (vorläufige Version)

    Kanda 16 des AVP

    Abgeschlossene Projekte

    Eine neue Edition von Kanda 8 und 9 der Paippaladasamhita des Atharvaveda mit Übersetzung und Kommentar

    Projektleiter: Jeong-Soo Kim 

    DFG, 2011–2016

    Bei der Atharvaveda Paippalada-Sarnhita handelt es sich um „einen der ältesten Texte Indiens, einen Text, der sowohl für die Kulturgeschichte als auch für die Sprachwissenschaft von höchster Bedeutung ist". Diese nach dem Rigveda älteste vedische Samhita existierte ursprünglich in 9 Sakhas. Allerdings sind uns nur zwei Rezensionen, Paippalada- und Saunaka-Sarnhita, überliefert. Während der Atharvaveda-Text der Saunakiya-Rezension durch Roth / Whitney 1856 gut ediert und durch Vishva Bandhu 1960-1962 hervorragend ergänzt ist, hat die Beschäftigung mit dem Text der Paippalada-Rezension aus Orissa erst durch die neu gefundenen Manuskripte der jüngsten Zeit einen großen Schub bekommen. Angeregt durch Zehnder 1999, Lubotsky 2002 und Griffiths 2009 beschäftigen sich inzwischen einige Forscher auf internationaler Ebene mit verschiedenen Büchern der Paippalada-Rezension aus Orissa, Das Ziel des hier beantragten Projektes besteht darin, durch die kommentierte Edition von Kanda 8 und 9 der Paippalada-Sarrihita einen Beitrag zu diesen Forschungen zu leisten.

    Die Paippalādasamhitā des Atharvaveda. Kānda 8 und 9. Eine neue Edition mit Übersetzung und Kommentar. Würzburger Studien zur Sprache & Kultur. Band 12. Dettelbach. ISBN 978-3-89754-459-8

    Untersuchung der liebesmotivierten Zaubertexte aus der griechisch-römischen Antike

    Projektmitarbeiterin: Quadrio, Tiziana

    April 2017 – Oktober 2018

    Im Zuge des Forschungsprojektes werden die griechischen und lateinischen liebesmotivierten Zaubertexte im Hinblick auf ihren Wortschatz, ihre morphologischen und syntaktischen Besonderheiten sowie v.a. ihre Formeln und ihre textliche Strukturierung untersucht. Ziel ist es dabei, die lexikalischen, phraseologischen, syntaktischen und textuellen Merkmale herauszuarbeiten, die für diese Gattung von Zaubertexten charakteristisch sind. Die so gewonnenen Ergebnisse können dann als Ausgangspunkt für eine sprachübergreifende Analyse ähnlicher Zaubertexte in anderen Sprachtraditionen dienen, denn magische Texte zu Liebeszwecken aus der Antike stammen aus vielen Regionen wie dem Alten Orient und Ägypten und sind auch im Atharvaveda gut bezeugt. Aus einer vergleichenden Untersuchung können also Rückschlüsse auf gemeinsame Grundlagen gezogen werden.

    Erste Ergebnisse der Untersuchung des griechischen Korpus sollen demnächst erscheinen. Hierunter findet man eine Übersicht über die diesen Arbeiten zugrunde liegenden Instruktionstexte und Primärzeugnisse (Fluchtafeln), die das griechische Korpus bilden, und die Zusammenstellung der Bezeichnungen für liebesmotivierte magische Rituale und deren Komponenten.

    GrKorpus

    Belege für Bezeichnungen

    Belege für Prohibitivsätze

    Körperverletzung im altirischen Recht

    Projektmitarbeiter: Vath, Bernd

    August 2016 – Juli 2019

    Das Projekt behandelt den altirischen Rechtstext Di ércib fola „Über die éric-Strafen beim Blutvergießen“ unter Einbeziehung der zugehörigen mittelirischen Kommentare.

    Der Rechtstext selbst liegt bereits in zwei Editionen mit recht freier Übersetzung in englischer Sprache vor. In der Auseinandersetzung mit diesem Text in insgesamt vier Lektürekursen am Lehrstuhl für Vergleichende Sprachwissenschaft der Universität Würzburg zum Altirischen Recht (Sommersemester 2014 bis Wintersemester 2015/16) wurde der Text grammatisch annotiert und mit einer – zunächst noch vorläufigen - deutschen Übersetzung versehen. Dabei wurde vor allem das Fehlen eines Glossars zu diesem Rechtstext von den Beteiligten zunehmend als problematisch empfunden. Darüber hinaus sind aufgrund der oftmals freien Übersetzung in den englischen Bearbeitungen an einigen Stellen durchaus andere Lesungen der Textstellen zu erwarten; ferner dürften auch die Bedeutungen einiger der in diesem Text verwendeten (Rechts)Termini durch eine genaue philologische und semantische Untersuchung besser festlegbar bzw. enger eingrenzbar sein.

    Geplant ist daher eine Textedition mit deutscher Übersetzung und angehängtem Glossar als Dissertation an der Universität Würzburg durchzuführen, bei der auch die wichtigen Rechtstermini ausführlich behandelt werden. Beim Glossar ist dabei eine möglichst große Kompatibilität mit dem Standardlexikon für das Alt- und Mittelirische, das „Dictionary of the Irish Language“ (DIL) angestrebt, um später eine mögliche Einarbeitung des Wortmaterials in das DIL für dessen Bearbeiter zu erleichtern. Da in das DIL nur das Wortmaterial einiger weniger alt- und mittelirischer Rechtstexte eingearbeitet ist, könnte mit einer wissenschaftlichen Aufbereitung vor allem des juristischen Wortschatzes aus Di ércib fola zumindest der Anfang gemacht werden, eine sicher nicht unbeträchtliche Lücke im DIL zu schließen. Die Arbeit an dem Glossar zum Rechtstext Di ércib fola hat dabei gewissermaßen auch Pilotcharakter für die lexikografische Aufbereitung der sprachlich schwierigen juristischen Ausdrucksweise im Irischen: Die zur Zeit maßgebliche Textausgabe zum älteren irischen Recht, das Corpus Iuris Hibernici (CIH), umfasst insgesamt 6 Bände mit über 2300 Seiten. Die Mehrzahl des Wortmaterials dieses Corpus wurde bisher im DIL noch nicht erfasst. Es wird angestrebt zu versuchen, hierzu grundlegende Überlegungen und Lösungen zu bieten.

    Siehe Abgeschlossene Arbeiten

    Infinitive und ihre Vorstufen im Vedischen und Griechischen

    Projektleiter*innen: Stüber, Karin; Hettrich, Heinrich

    Untersucht wird einerseits die Verwendung von Verbalabstrakta im Vedischen, insbesondere in finaler Funktion, andererseits jene des Infinitivs im homerischen Griechischen. Ziel ist es, syntaktische Strukturen aufzuzeigen, die beiden Sprachen gemeinsam sind und daher als ererbt gelten dürfen. Ausdrucksmittel im Vedischen sind im wesentlichen Kasusformen von mit unterschiedlichen Suffixen gebildeten Verbalabstrakta, während das Griechische in denselben Kontexten einen eigentlichen Infinitiv einsetzt, der daneben auch als Komplementinfinitiv verwendet wird.

    Der vedische Teil der Studie wird von Heinrich Hettrich verantwortet, der griechische Teil von Karin Stüber.

    Hettrich, Heinrich, und Karin Stüber. Infinitivische Konstruktionen im Ṛgveda und bei Homer. Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse / Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Mainz: Akademie der Wissenschaften und der Literatur, 2018.

    Die Funktion und Entwicklung von Lokalpartikeln im Vedischen

    Projektleiter: Hettrich, Heinrich

    DFG, 2008–2016

    In der Indogermanistik gilt es als weitgehend gesicherte Erkenntnis, dass Präverbien und Adpositionen der Einzelsprachen sich aus einer Klasse voreinzelsprachlicher selbständiger Adverbien (Lokalpartikeln - LP - genannt) entwickelt haben. Für die Verben ist dies in den frühesten Phasen der Einzelsprachen (Hethitisch, Vedisch, Altavestisch, homerisches Griechisch) daran zu erkennen, dass vielfach eine - semantische ebenso wie formale - Univerbierung von LP und Verb noch nicht erfolgt ist, so dass vielfach noch nicht von Präverbien im eigentlichen Sinn gesprochen werden kann. Desweiteren können viele dieser nachmaligen Adpositionen in diesen frühen Sprachstadien noch als selbständige Adverbien, ohne feste Zuordnung zu einem Nomen oder Verb, gebraucht werden.

    Bisher fehlt eine umfassende Untersuchung, die die Tragweite dieser Thesen für die indogermanische Grundsprache sowie die vorauszusetzenden Entwicklungen hin zu den ältesten Einzelsprachen untersucht. Dies soll durch das Projekt für die Sprache des Rgveda geschehen. Es zeichnen sich bereits erste Ergebnisse ab, wonach einerseits die LPs an einem großen Teil ihrer Belege in der Tat noch als selbständige Adverbien zu verstehen sind, die - soweit sie ein Bezugsnomen haben - dieses nicht wie später regieren, sondern lediglich als Attribut oder Apposition modifizieren und - soweit sie syntaktisch enger zu einem Verb gehören - mit diesem vielfach weder semantisch noch formal verschmolzen sind. Allerdings scheint dieser Regelfall für die verschiedenen vedischen LPs in einem sehr unterschiedlichen Ausmaß zu gelten, und es stehen Fälle daneben, die auf einer gestuften Übergangsskala von adverbialer LP bis zur voll ausgebildeten Adposition schon näher an diesem letzteren Pol stehen. Das Projekt strebt in diesen Punkten eine grundsätzliche und auch eine Detailklärung für die Sprache des RV an, die dann eine wesentliche Voraussetzung für eine verläßliche Rekonstruktion des uridg. Sprachzustandes sein wird.

    Publikationen des Projekts