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    Professur für Museologie

    Provenienzdidaktik: Neue Ansätze für das Ausstellen und Vermitteln von Objekten im Kontext ihrer Geschichte (Arbeitstitel)

    Doktorandin:
    Nora Halfbrodt MLitt

    Mentorat:
    Prof. Dr. Guido Fackler (Professur für Museologie, JMU, Erstbetreuer)
    Prof. Dr. Eckhard Leuschner (Institut für Kunstgeschichte, JMU)
    Prof. Dr. Gilbert Lupfer (Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Deutsches Zentrum Kulturgutverluste)

    Schon seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird – unter Einsatz großer Mühe und hoher Kosten – die Provenienz von Kunst- und Kulturgütern aufgearbeitet, hauptsächlich mit dem Ziel unrechtmäßig entwendetes Eigentum zu identifizieren und „faire und gerechte Lösungen“ für den Umgang mit diesen Objekten zu finden (Vgl. Washington Principles, 1998). Inzwischen hat sich der Forschungsbedarf massiv erweitert: Neben der initialen Forschung über die während der NS-Zeit enteigneten oder unter Zwang verkauften Gegenstände rücken seit wenigen Jahren auch die Objekte aus kolonialen Kontexten und der Kulturgutentziehungen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) sowie der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in den Fokus. 

    Auf Grund der Forderungen nach mehr Transparenz in den öffentlich finanzierten Sammlungen und der Tatsache, dass Ausstellen und Vermitteln zu einer der Säulen der Museumsarbeit gehören, werden seit einigen Jahren vor allem in Deutschland vermehrt „Provenienzausstellungen“ gezeigt. Auffällig ist, dass in diesen Ausstellungen häufig entweder eine Flut an textbasierten Informationen existiert oder, auf eine minimalistische Nennung der Provenienzkette reduzierte und damit oft verschlüsselte Darstellung der Inhalte zurückgegriffen wird. Aber benötigt ein Thema wie die Provenienzforschung, bei der es um ein Zusammenspiel aus quellenbasierter Sachlage und die Einbindung der Perspektiven verschiedener beteiligter Personen geht, nicht eine eigene didaktische Aufarbeitung, die auf verschiedenen Vermittlungsebenen Besucher*innen in Museen die Provenienzen der Exponate näherbringt? 

    Dieses Dissertationsprojekt zielt darauf ab, Grundlagen für eine eigenständige Provenienzdidaktik zu entwickeln, die sowohl eine korrekte Darstellung der spannenden Geschichten hinter den Objekten umfasst als auch für Besucher*innen ansprechend aufgearbeitet ist. Anhand von Analysen bestehender bzw. vergangener Ausstellungen, verschiedener didaktischer Theorien der Kunst- und Geschichtsvermittlung in Museen sowie der Entwicklung eigener Vermittlungsformen für die geeignete Präsentation der Ergebnisse der Provenienzforschung sollen Beispiele für neue Ansätze für eine adäquate Ausstellungsdidaktik gegeben werden.