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    Institut für Kunstgeschichte

    "Werkmeister im Konflikt" - Tagungsband erschienen

    06.05.2020

    Der ‚500. Jahrestag des Annaberger Hüttenstreites’ war der Anlass für die Tagung "Werkmeister im Konflikt" am 28./29. September 2018 in Dresden-Neustadt (Veranstalter: Kommission "Kunstgeschichte Mitteldeutschlands" der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig). Die Datierung dieses Hüttenstreits beruht auf einem Dokument vom 27. Juli 1518 und anschließenden Urkunden, durch die ein Streit zwischen dem Meister der Annaberger Bauhütte Jakob Heilmann von Schweinfurt und der Magdeburger Haupthütte als Gerichtsort des Straßburger Hüttenverbands dokumentiert ist.

    Die Auseinandersetzung hatte offenbar nicht nur bauspezifische Streitsachen zum Gegenstand, wie Finanzsachen, Lehrzeiten, Kompetenzverteilungen, Pflichtverletzungen, sondern es ging grundständig um die Frage, wie im überregionalen Bauwesen die Zuständigkeiten und Gerichtsbarkeiten in Bauangelegenheiten geregelt sind. Dieser grundsätzliche Konflikt wurzelte in einer langen Vorgeschichte des 15. Jahrhunderts, in der die Straßburger Münsterbauhütte eine Führungsrolle anstrebte, und endete erst mit einem kaiserlichen Urteil und einer Befriedung im Bauwesen des mittleren 16. Jahrhunderts.

    Die Tagung konnte diesem und etlichen anderen Streitfällen und den Motivationen der jeweiligen Konfliktparteien nachgehen und auch der Frage, in welcher Weise die Entscheidungen, die außerhalb der Gerichtsbarkeit im Bauwesen lagen, zu Veränderungen in der Umbruchszeit im frühen 16. Jahrhundert führten.

    Der vorliegende Tagungsband bündelt sowohl die Ergebnisse der Tagung und zeigt dabei auf, dass der Annaberger Hüttenstreit keinesfalls ein Sonderfall war. Durch die Vielzahl der Konfliktfälle wird deutlich, dass der reichsweite Führungsanspruch der Straßburger Oberhütte eine Geltungsbehauptung war, die sich bis weit ins 16. Jahrhundert aber nicht flächendeckend durchsetzen ließ. An vielen Hüttenstandorten gelang es, sich der straßburgischen Oberhoheit und Übergriffe zu erwehren.

    In einem umfangreichen Quellenanhang sind die relevanten Quellen zusammengestellt, darunter auch neu aufgefundene, bislang nicht edierte Quellen – wie bspw. das Magdeburger Bruderbuch von 1516 (Deckblatt siehe Abbildung). In einem Glossar werden knapp die wesentlichen Aspekte der Bauhütten und Bauorganisation zusammengefasst. In mehreren Beiträgen wird die Geschichte der frühen Bauhütten beleuchtet und den unterschiedlichen Organisationsformen der Hüttenstandorte nachgegangen, darunter die heute unbekannte Würzburger Haupthütte als buchführende Hütte und einstmals bedeutendem Gerichtsort für das Steinmetzhandwerk.

    http://www.hirzel.de/titel/61892.html

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